Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 11-12 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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163 „Libanon öffne deine Thore, und Feuer verzehre deine Cedern. Es heule die Cypresse, daß die Ceder gefallen ist, denn die herrlichen (Cedern) sind verwüstet. Heulet ihr Eichen von Basan, daß der unzugängliche Wald gesunken ist. Lautes Geheul der Hirten, daß ihre Herrlichkeit verwüstet ist; lautes Gebrüll der jungen Löwen, daß der Schmuck des Jordans verwüstet ist." Der stolzeste Schmuck Canaans fällt mit dem Lande selbst der Zerstörung anheim. Nicht der steile Libanon mit seinen kostbaren Cedern, welche die Zierde der Königspaläste und des Tempels (an diesen letzteren denkt bei dieser Stelle der jerusalemische Talmud) gewesen, nicht die gewaltigen Urwälder Basans, welche wie eine undurchdringliche Hecke dem Wanderer sich entgegengestellt hatten, nicht die üppigen Gefilde, auf deren weiten Auen reiche Heerden geweidet, nicht das dichte Gebüsch, welches die Jordanniederung umsäumt und der Löwenbrut zum sicheren Versteck gedient, sollten verschont bleiben — das ganze Land von seinen höchsten Höhen bis zu seinen entlegendsten Gegenden von den edelsten Erzeugnissen, welche im Dienst der Könige und des Heiligthums verwerthet wurden, bis herab zu den Triften, welche auch den Geringsten des Volks ihre Nahrung boten, hat ein allgemeines Verderben zu erwarten. In dem Bilde der Verwüstung, welche Canaan trifft, stellt sich aber überhaupt dar, daß alle Herrlichkeit Israels vernichtet wird. Es ergeht eine Rede Gottes an den Propheten, welche folgendermaßen lautet: „So spricht Jehovah, mein Gott, weide die Schlachtheerde." . In diese Schlachtheerde ist auch Israel, wie alles Nachherige dies deutlich zeigt, mit eingefaßt. Denn man ist einig, daß, wenn im 7. Verse der Hirt sagt, daß er die Schlachtheerde, darum die elenden der Schafe weidete, unter den letzteren Israel jedenfalls zu verstehn ist. Israel aber hört hiernach auf ein selbstständiges Volk für die nächste Folgezeit zu sein, es ist mit seinen Geschicken in die der übrigen Menschheit verflochten, deren Wohl wird ihr eigenes Wohl, deren Wehe ihr eigenes Wehe. Ebenso wie es bei Daniel geschieht, muß Sacharjahs Weissagung von der Zukunft der ganzen Menschheit handeln, und erst daran knüpft