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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 7-8 (1867) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
7-8 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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115 entgegentritt, thut er es durch alte Vorurtheile und das ist bei manchen Gelegenheiten in unserem Verkehr mit den Juden der Fall gewesen. Dieselben finden, daß, was sich selbst Chriftenthum nennt, in manchen Fällen eine Religion des Aberglaubens und der Unterdrückung viel eher ist, als eine Religion der Liebe. Sie finden den Aberglauben, die große Abneigung und den Haß gegen die Juden, welcher die Kirche Roms verunziert, aber ebenso auch alle morgenländischen Kirchen, welche in dieser Hinsicht eben so schlecht und noch schlechter sind als die Kirche Roms. Ich war einmal in einer kleinen Stadt an den Ufern des Tigris und brachtedort ebensowohl den jüdischen als den christlichen Sabbath zu. Am jüdischen Sabbath ging ich in die Synagoge und wandte mich nach dem Gottesdienst an die Gemeinde in ihrer eigenen Synagoge und im Hause ihres gegenwärtigen Vorstehers. Ich fand manche Vorurtheile gegen mich vorhanden, denn sie hatten noch keinen Missionar gekannt, und der Rabbi, der die Priester anderer christlichen Kirchen gesehn, protestirte gegen uns voll Unwillens, als hätten wir Priester, welche Opfer in der nämlichen Kleidung wie ein Hohenpriester unter den Juden darbrächten. Ich sagte ihnen indeß, daß es viele Priester in unserer Kirche gäbe, welche nicht den Anspruch machten dies zu thun, und daß es keine opfernde Priesterschaft in der Kirche Englands gäbe. Und die Juden behandelten sowohl Nr. Ktsru als mich selbst sehr artig. Sie luden uns in ihre Häuser ein und öffneten uns ihre Synagogen, und gaben selbst die Dolmetscher für uns ab, wenn es uns Schwierigkeiten bereitete, uns verständlich zu machen, und begegneten uns überall mit der größten Freundlichkeit und brüderlicher Liebe. Ich habe Persien durchreist und bin von einem Rabbi an den andern durch Empfehlungsbriefe empfohlen worden, von denen einer jetzt im Museum von Berlin niedergelegt ist. Da sie für uns als Dolmetscher eintraten, erfüllten sie, was sie vorher gesagt, daß sie Zeugen der Wahrheit sein würden, und haben oft für uns in unseren religiösen Belehrungen der Muhamedaner ein Zeugniß abgelegt, wenn diese gegen uns Zweifel hegten. Und wenn so die Juden schon in ihrer Zerstreuung und in ihrer Verderbniß Zeugen der Wahrheit Gottes gewesen sind, sollen wir nicht hoffen, daß der Tag nicht sehr fern ist, da sie wieder zu dem einen wahren Glauben sollen gesammelt werden? 8*

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