Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 5-6 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 einem Gott, welcher die Frauen von gerichtlichem Zeugniß fern hält, weil sie auf einer Stufe in diesem Fall mit den Blödsinnigen stehen? Was von einem Gott, der predigen läßt, ein Heide, der sich mit dem Gesetz befaßt, ist des Todes schuldig? Von einem Gott, welcher ausdrücklich nur in dem Juden einen Bruder und Nächsten erkennen lehrt? Die furchtbarste Unmenschlichkeit gegen die Götzendiener (Christen und Heiden) ist eine ausdrückliche Forderung dieses mündlichen Gesetzes: „ein israelitisches Frauenzimmer soll den Sohn einer Heidin nicht säugen, weil sie dadurch der Abgötterei einen Diener erziehen würde; auch soll sie bei einer heidnischen Kreißenden keine Hebammendienste leisten, wenn sie aber dafür bezahlt bekommt, mag sie es wohl thun wegen Feindschaft." „Es ist verboten einem Heiden einen guten Rath zu ertheilen, und Daniel ist aus keinem anderen Grunde bestraft worden, als nur deßhalb, weil er Nebukadnezar gerathen hatte, daß er Almosen geben solle." „Das von einem Heiden Verlorene ist zu behalten erlaubt. Derjenige, welcher es wiedergiebt, begeht eine Sünde, well er dadurch einen Gottlosen der Welt unterstützt." „Moses unser Lehrer hat befohlen alle Menschen der Welt zur Annahme der Gebote, welche den Söhnen Noah's gegeben sind, zu zwingen, und jeder der sie nicht annimmt, wird ermordet." „Wenn ein einwohnender Proselyt einen Israeliten unvorsätzlich getödtet hat, so wird er, obgleich er es ohne Absicht gethan hat, zum Tode verurthellt; ein Israelit, der einen einwohnenden Proselyten getödtethat, wird vom Gerichtshöfe nicht mit dem Tode bestraft, denn es heißt: „wo aber Jemand an seinem Nächsten frevelt." „Einen Ungelehrten ist es erlaubt wie einen Fisch zu zerreißen." An diesen Proben sei es genug; vor einem Gott, dessen Gesetz solche Gebote als allerheiligste Worte enthält, schaudert das Herz zurück. Aber freilich, ist Gott auch nicht mehr als der sogenannte liebe himmlische Allvater, den uns die Vernunftreligion innerhalb der Christenheit anpreist, dann erwärme man sich lieber, so lange 'es geht, an der Erde Lust und Freude, und das menschliche Herz wird dabei viel besser sich befinden, als bei den kalten frostigen Gedanken an diesen Gott, welcher noch niemals die Wohnungen der ewigen Welt heimathlich oder zum Gegenstand inneren Verlangens hat machen können.