Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 1-2 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Aber er weiß in andern Ländern noch mehr Genossen. So läßt er in Nr. 19 seiner Judenzeitung Seite 298 offenbar mit großer Freude folgende „Privatmittheilung," die ihm aus „Kopenhagen" geschrieben wird, drucken: „Für Beobachter des Zeitgeistes ist es eine bemerkenswerthe Erscheinung, wie in unfern Tagen die christlichen Theologen auf Kosten ihrer eigenen heiligen Bücher sich überall mehr und mehr mit unserer heiligen Schrift beschäftigen, diese tiefer durchdringen und somit sich selbst wie dem großen Publikum die Augen für das viele Schöne und Wahre, das darin enthalten, öffnen. So kann ich auch von hier aus eine Reihe derartiger im Dänischen herausgekommener Schriften anzeigen. Es sind diese Salomons Hohelied von Adjunct Heyse verstficirt; Jesaias vom früheren Cultusminister Monrad klassisch, und dasselbe Buch von dem berühmten Professor der orientalischen Sprachen Hermann, wortgetreu übersetzt; so auch Hiob metrisch bearbeitet u. s. w. Ich kann deßhalb z. B. dem Schriftchen „„Haben die Juden wirklich Jesum gekreuziget?"" welches in's Dänische übertragen in diesen Tagen hier erschienen, ein großes Aufsehen und reiche Thellnahme von Seiten der großen Masse weissagen." So der Correspondent aus Kopenhagen. Wenn die christlichen Theologen, die sich nach diesem Berichte jetzt „„überall"" mit der heiligen Schrift des Alten Testaments „beschäftigen," dies „auf Kosten" des Neuen Testaments thäten, dann wären dieselben gewiß schlechte Theologen; aber der Berichterstatter scheint kein sonderlich scharfsichtiger oder scharfsinniger „Beobachter des Zeitgeistes" zu sein, sonst würde er eine solche Mittheilung nicht gemacht haben, und wäre der Herausgeber der Judenzeitung nicht schon so freudetrunken in seinem vermeinten Siege über das Chriftenthum, so hätte er sich die Sache wohl auch noch überlegt, ob denn die Beschäftigung eines christlichen Theologen mit dem Alten Testamente nur auf Kosten des Neuen geschehen könne. Jedes Schulkind hätte ihm sagen können, daß es heilige Pflicht nicht nur jedes christlichen Theologen, sondern jedes gewöhnlichen Christen ist, sich mit dem Alten Testamente zu beschäftigen. Es ist bisher vielmehr die Klage geführt worden, daß die christlichen Theologen dieser ihrer Pflicht viel zu wenig Nachkommen; denn nicht die Beschäftigung mit dem Alten Testament, sondern nur die Vernachlässigung desselben