Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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oder ob nicht die Rabbiner des Judenthums, die ihrem Volk die „Tugendhelden" als „Sühnopfer" Vorhalten, „die Juden von ihrem Vater im Himmel abtrünnig machen," wird für den, der die Bibel als Gottes Wort anerkennt, nicht schwer sein zu beurtheilen. Unser Polemiker spricht zwar von „den verschiedenartigsten Waffen" und von „allen erdenklichen Mitteln," welche die Missionare anwendeten; sie selbst aber kennen nur das eine genannte, und ihm hat es nicht gefallen mehrere derselben namhaft zu machen, er nennt nur Eins, nämlich „die heuchlerische Bruderliebe," daß die Missionare „unter dem Deckmantel der Mildthätigkeit" allerlei Gaben an „nach Brodt jammernde Wittwen und Waisen spenden." Daß der Bischof und die Missionare in Jerusalem Wohlthätigkeit geübt, und zwar in reichem Maße, das bezeugt also „der Israelit;" wenn er aber hinzu setzt, sie bezweckten mit dieser Mildthätigkeit, nur die armen Wittwen und Waisen zu kaufen, so ist das eine so jämmerliche Verdächtigung, daß man getrost annehmen kann, unser Polemiker glaubt das selbst nicht, was er sagt. In seinen Bemerkungen gegen das Barmer Missionsblatt heißt es S. 290: „Wären die Herren — Missionäre — nicht so überaus gcscheidt, man.wäre versucht, sie für herzlich dumm zu halten." — Haben nun aber diese Herren „Seelenräuber" wirklich die Absicht, die armen Juden zu „kaufen," so kann doch kein vernünftiger Mensch sagen, daß sie „so überaus gescheidt" handelten, wenn sie die „Hunderttausende" und „Wasser, Brodt, Thee, Kaffee, Zucker, Fleisch, Kohlen" und wer weiß waö nicht Alles hingeben, ohne sich vorher sicher zu stellen, daß sie auch den Gegenstand, für den sie den Kaufpreis zahlen, wirklich bekommen. Daß unser Polemiker bei seinem „Kaufen" so herzlich dumm handeln sollte, trauen wir ihm nicht zu. Wir dürfen ihn also sicherlich für „so gescheidt" halten, daß er in seinem Herzen sehr wohl weiß, daß alle die Anstalten, die in Jerusalem bestehen, nicht dazu errichtet sind, und alle Gaben, die an arme Juden verabreicht werden, nicht darum gegeben werden, um Seelenhandel zu treiben; sondern um die Noch und das Elend der Armen zu mildern, um welche sich ja vorher, ehe die christliche Mission die leibliche Armuth Israels zu Herzen nahm, fast kein Jude in Europa bekümmerte. Doch wenn auch unser Polemiker das Motiv noch nicht