Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 1-2 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Standpunkte das Factum zu beurtheilen wäre, wenn es so wirklich geschehen wäre, wie es uns erzählt wird. Wir haben es hier nur von dem weltgeschichtlichen Standpunkte, auf welchen es der Verfasser des Vorworts stellt, zu betrachten, und hierin kommen wir gerade zu dem entgegengesetzten Urtheil, wie das, welches der französische Kaiser instnuiren will. Im klebrigen mögen wir uns nicht beklagen, denn wenn er die europäischen Völker Verschwörer nennt, so mögen wir Juden uns ähnliche Titel gefallen lassen." „Haben wir hiermit diesem Vorwort eine etwas ausführliche Beachtung gewidmet, so bedenke man, daß dieses Schriftstück weniger durch seinen Inhalt als durch seinen Verfasser eine große Wichtigkeit besitzt. Indem wir seine Sophismen klar legten, verliert auch seine Beschuldigung gegen uns jede Kraft." So die Judenztg. Zunächst spricht hier also der Kritiker seinen „Zweifel an dem ganzen Factum" aus, „daß die Juden Jesus gekreuzigt;" und er thut dies, weil „keine einzige geschichtliche Quelle diesen Vorgang berichtet." Also erst nach Durchforschung aller geschichtlichen Quellen ist „der Zweifel" in ihm aufgestiegen. Wir müssen uns aber wundern, daß unter solchen Umständen der Kritiker nur einen bescheidenen „Zweifel" hegt, und er nicht vielmehr ohne Weiteres „das ganze Factum" für eitel Lug und Trug erklärt. Aber auch dieser Zweifel ist offenbar ziemlich neuen Datums und wohl nur ein ganz flüchtiger, vorübergehender, der in dem Kritiker vielleicht, während er seine Kritik schrieb, unwillkürlich äufstieg, den er aber zur Verschärfung derselben sofort benutzte. Denn als 1862 der damalige Cultus-Minister Herr von Bethmann-Hollweg im Hause der Abgeordneten „das Judenthum verfolgungssüchtig" nannte, bekämpfte unser Kritiker diese Beschuldigung ganz gewaltig und sagte unter Anderem in Nr. 12 seiner Judenztg., daß „in den vier Jahrtausenden des Judenthums die bedauernswerthe Verurtheilung des Stifters der christlichen Religion, welche in einer von Parteiungen durchwühlten Zeit geschah, als die einzige Thatsache dastehe, aus welcher den Juden ein solcher Vorwurf gemacht werden könne." Vor 3 Jahren muß also „dieser Vorgang, daß die Juden Jesum gekreuzigt," oder „verurtheilt," in den Augen des Verfassers der Kritik noch guten Grund