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Dibre Emeth · 1865-01-01 · 11-12 (1865) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
21 (1865)
Issue
11-12 (1865)
Date
1865-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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ISS «m selbst die Schiffe abzufertigen, welche erst einen Theil der Ladung eingenommen halten, und Viele, welche vor dem Tode in der Stadt flohen, fanden ihn in dem vollgepfropften Schiffe. ' Miro blieb verschont bis eines Tages ein englischer Ingenieur von Alexandrien ankam und in wenig Stunden an der Cholera starb. Aber sonderbarer Weise schoß sie, anstatt daß sie unter der schlecht genährten und schlecht gekleideten Bevölkerung der Stadt wüthete, ihre ersten Pfeile auf eine Anzahl von etwa dreißig englischen Ingenieuren Md Kutschern mit rochen Gesichtern, welche eben das Land betreten hatten, von denen fünf oder sechs sofort hingerafft wurden; und die Thatsache, daß Mehrere von den elenden Muhamedanem bei jedem Leichenbegängniß ihre Hände zusammenschlugen und sagten: „Mag es so mü euch Allen geschehen, möget ihr Alle denselben Weg gehen," giebt uns einen Beweis von dem Geiste der muhamedanischen Bevölkerung dieser Stadt. ' Aber obschon die frommen Moslems eifriger in ihren Andachten wurden, so zeigte es sich doch bald, daß sie keine bevorrechtete Volksklasse seien. Die Pest nahm ihren Umlauf durch die Stadt. Die Muselmänner warfen sich nieder mit ihrem Gesichte gen Mekka. Die Franken wurden andächtiger, das Zudenviertel war am Sabbath so still wie ein schottisches Dorf während des Gottesdienstes, da Jeder, selbst der an der Krücke, in der Synagoge war. Da der englische Arzt in Cairo mehr zu thun hatte , als er bewältigen konnte, so fielen mehrere von der Gemeinde in die Hände des englischen Kaplans, der auch Mediciner ist, unter Andern der wohlbekannte Leider, der treue Zeuge und treue Diener der kirchlichen Missions-Gesellschaft, und beinahe zwanzig Jahre hindurch der unbesoldete Kaplan der in Cairo wohnenden Engländer. Ehe er starb, verlor er sonderbarer Weise auf einige Tage die Fähigkeit englisch zu sprechen; seine höchste Freude fand er in verschiedenen jener schönen deutschen Lieder, welche in ftühern Jahren sein Trost gewesen waren. Aber Wasser! Wasser! Wasser! das ist jetzt der allgemeine Mangel in Cairo. Wann werden wir reines Wasser zum Trinken erhalten? Und wie der Feueranbeter wacht auf den Anbruch des Lichtes am östlichen Himmel, so wachen wir auf das Steigen des Nils! Wie viel ist er heute gestiegen? Einen Zoll. Ach! am zehnten Juli sollte er mehrere Fuß gestiegen sein. Es ist die allgemeine Meinung, daß die Königin Cholera nicht eher ihren Abschied nehmen wird, bis das grüne faulichte Wasser des beinahe still stehenden Nils von der Fluch hinweg geschwemmt sein wird, die eben jetzt von dem Gebirge Abyssiniens und den noch entfernteren Wasserquellen herab kommt, welche ihren Ursprung weit entfernt in den vielleicht noch ganz unerforschten Quelle» des weißen Nils haben. B. W. W., den 10. Juli 1865. Zn Commission - Carl Dülfer's BuchHandlnng in Breslau. Druck von C. H. Storch und Comp, in Breslau.

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