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Dibre Emeth · 1865-01-01 · 9-10 (1865) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
21 (1865)
Issue
9-10 (1865)
Date
1865-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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bath zu öffnen, obwohl sie sonst alle den Ruhetag betreffenden Vorschriften genau innehalten. Wie so viele Juden seufzen sie unter dem Joch des Ritualgesetzes, das sie wohl als rabbinisches Menschenwerk anerkennen, aber es fehlt ihnen die Kraft mit dem Alten, durch „das Jahr" und die Sitte Geheiligtem, zu brechem — Als ich noch klein war, bestand bei uns der löbliche Gebrauch, daß alle Freitag Abend der laufende Wochenabschnitt der Schrift von meinem Vater laut vorgelesen wurde. Die mit kleinen Holzschnitten gezierte jüdisch-deutsche Bibel wurde von uns Kindern, besonders der Bilderchen wegen, sehr geliebt. Derartige Bibelübersetzungen haben die Eigentümlichkeit, daß vor lauter thalmudischen Erklärungen, Deutungen und Auslegungen, fabel- und mährchenhaften, eingestreuten Geschichten, der eigentliche Schrifttert, das wahre dwar adonai, gar nicht zur Geltung kommt. So sind die Brunnen des lebendigen Wassers mit altem Schutt verdeckt worden; und die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt, die durch das Jammerthal gehen, und machen daselbst Brunnen (Ps. 84, V. 7); (darum ist in dieser Beziehung Moses Mendelssohn, der den deutschen Juden wieder das Wort Gottes rein eingeschenkt hat, wohl zu schätzen). — Unsere kindliche Aufmerksamkeit und Hörbegierde ward aber alljährlich von der so lieblich-rührenden Geschichte Josephs am meisten gespannt; wir konnten nicht genug von ihm hören. Ein deutscher Dichter sagt sehr wahr: Dichter willst du rühren Herzen, schlage an den Ton der Schmerzen. So ward auch mein kindlich-einfältiges Herz gewaltig ergriffen, als uns der christliche Schullehrer die Leidensgeschichte Christi erzählte und seine Kreuzigung an der Schultafel mit Kreide darstellte. Noch weiß ich, wie ich über die dir, o Heiland, zugefügte Schmach und Drangsal bitterliche Thränen geweinet habe. Ja wahrlich die Menschenseele ist von Grund aus zur Christin angelegt. (Augustin). Wir lasen in den Bibelstunden die Evangelien, und die Erzählungen sind mir seitdem im Gedächtniß geblieben. Sie beschäftigten meine Phantasie damals so sehr, daß ich im Spiele mit einer jünger« Schwester oftmals die Auferstehungs-Geschichte des armen Lazarus (denn ich hielt diesen für ein und dieselbe Person mit dem auferweckten) dargestellt habe. So war schon in früher Kindheit ein Samenkorn von Gottesreich in mein Herz gefallen; aber der böse

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