Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 21 (1865)
- Issue
- 9-10 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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' 136 | I Beispiel anführen, wie er die biblischen Erzählungen behandelt. In demselben Buche S. 121 und 122 schildert er die Unterredung Gottes mit Kain nach dem Brudermorde allegorisch, nicht Jehovah hat Kain gefragt: „Wo ist dein Bruder Hebel? sondern die Stimme des Gewissens, die in Kain erwachte, hielt ihm diese Frage vor, kurz da, wo ihn Jehova fragt, mahnt, verflucht und ihn durch ein Zeichen der Fmcht von Andern erschlagen zu werden überhebt, soll unter Jehovah nur die Gewissensstimme verstanden werden. Diesen ganzen Brei aus Philippson's allegorischer Küche hier anzuführen, wäre zu viel, die letzten Zeilen reichen hin, um Aufschluß über den Inhalt des Ganzen zu geben. Diese lauten: „Und je lauter die Stimme des Gewissens, jemehr diese ihn (Kain) verurtheilt, desto lebhafter malt ihm die verdüsterte Einbildungskraft seine ganze Zukunft aus und vergrößert ihm die ihn erwartende Strafe, Momente, in welchen allen diese Strafe am meisten verwirklicht wird." Ein weites Feld thut sich dem Unglauben mit dieser allegorisirenden Weise auf, denn wenn es hier dem deistischen Rabbiner beliebt, statt Jehovah die Stimme des Gewissens reden zu lassen, so mag es ihm bequem sein bei Moses statt Gott die Stimme der Vernunft reden zu lassen, welche Anstcht übrigens aus den neurabbinischen Definitionen über Offenbarung deutlich hervorgeht, nur daß ste Phil, nicht mit so klaren, dürren Worten heraussagt, wie bei Kain. Eine andere Erzählung im ersten Buche Moses, nämlich die Unterredung Gottes mit Adam nach dem Sündenfalle, wird von den neueren Rabbinern ebenfalls allegorisch erklärt. Rabbiner Herxheimer jedoch, ein früherer Kampfgenosse Gekger's und Phil.'s bei den Streitigkeiten der jüdischen Gemeinden, ist aufrichtig genug in seinem Bibelwerke — dritte Auflage, Leipzig 1863 — zu 1. Mos. 3, 9 zu bemerken: „Der Erzähler denkt an ein wirkliches Gespräch Gottes, nicht an eine Gewissensstimme." So zweideutig die Worte „Der Erzähler denkt" klingen, so enthalten sie doch einen Protest gegen philippsonische Willkür einfache biblische Erzählungen durch allegorischen Dunst der Wahrheit zu berauben. Charakteristisch ist die Selbstüberschätzung und der Hochmuth des großen Wortführers in Bonn, der sich in den letzten Worten des obigen Citates aus seiner „Religionslehre" verräth. Zum besseren Verständniß müssen sie