Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 21 (1865)
- Issue
- 5-6 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ausüben. Leider fand ich, daß die Zustände in Israel noch schlimmer find , als fie in Ihrem geschätzten Blatte geschildert werden, und daß die Mischen Wortführet nicht nur in der Entstellung des Judenthums wetteifern, sondern auch das Christenthum auf alle mögliche Weise zu verunglimpfen und überhaupt jede positive Religion zu untergraben suchen. Angesichts solcher Geringschätzung und Herabwürdigung alles Heiligen, halte ich es der Mühe werth eine treue Darstellung der religiösen Gesinnungen der Juden niederzuschreiben und sie Ihnen zuzuschicken. Ich will es Ihnen anheimstellen, sie entweder in Ihr geschätztes Blatt aufzunebmen, falls sie dieselbe dazu geeignet finden sollten, oder als Material zu Ihren Arbeiten zu verwenden, indem Sie darin manches Citat aus jüdischen Schriften finden werden, die Ihnen vMeM nicht, zu. Gesichte kamen-. Ich finde es zweckmäßig, nicht blos auf das, was ich gelesen, mich zu beschränken, sondern auch das anzuführen, was ich im Leben und in den Aeußerungen der Juden wahrzunehmen Gelegenheit Hatte, denn das Leben, die Handlungen zeugen am besten von den Gesinnungen des Handelnden, und diese sind es ja, hieich zum Gegenstände meiner Darstellung machen will. Genehmigen Sie, geehrter Herr Redakteur u. s. w. Die religiöse« Gesinnungen der gegenwärtigen Juden. Indem ich das düstere Bild der religiösen Gesinnungen der Juden den Lesern Ihres geschätzten Blattes vorführen will, sehe ich mich in dietraurige Nothwendigkeit versetzt, zuerst festzustellen, was unter wirklichem, mosaischem Judenthum zu verstehen ist. Freilich wäre das noch vor 30 und auch noch vor 25 Jahren nicht nöthig gewesen, denn wenn auch die früheren Juden die Lehren und Aussprüche des Talmuds und der späteren Rabbinen denen von Moses und den Propheten gleichstellten, so zeigten sie doch wenigstens damit, daß sie die letzteren als unzweifelhafte Autoritäten und Männer, die unmittelbar von Gott ihre Inspiration erhielten, anerkennen. Jetzt aber, wo die Verwirrungen der religiösen Begriffe unter den Juden mit jedem Tage in erschreckender Weise zunehmen, jetzt, wo krasser Unglaube als wahrer Glaube angepriesen und biblischer Glaube als Hyperorthodorie und