Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 11-12 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Begebenheit. An diesem Feste verfluchen sie allerdings noch heute jenen Haman, der Israel vertilgen wollte; aber es ist mit diesem Fluche gar nicht so ernst gemeint und im ganzen Jahr denkt man gar nicht an diesen Judenfeind. Aber die Feindschaft gegen Jesum Christum giebt sich bei den verschiedensten Gelegenheiten und auf vielfache Weise kund. Fragt man, was hat denn dieser Jesus der jüdischen Nation zu Leide gethan, so kann Niemand irgend Etwas angeben; denn Jesus Christus hat Israel geliebt, wie nie ein Mensch; Er hat ihm so sehnlich alles Gute gewünscht, wie nie ein Mensch es je gethan; Er hat beim Blick auf Israels Verderben und hereinbrechendes Gericht einen solchen Mitleidsschmerz empfunden, wie nie ein Mensch gefühlt hat; Er hat am Kreuze sterbend noch für Israel gebetet: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! Daß er sich Israel als Messias darstellte, das war die einzige Ursache ihres Hasses. Gesetzt, er wäre ein falscher Messias gewesen, warum wird denn gerade er so angefeindet, während doch bekanntlich eine Menge falscher Messias gekommen sind, die viel Unheil in Israel angerichtet haben und doch von ihnen gar nicht gehaßt werden. Daß aber Jesus nicht ein falscher, sondern der wahre Messias war, das beweist feine ganze Geschichte; und doch dieser Haß Israels gegen ihn, so daß er eben klagen muß: Sie hassen mich ohne Ursach. — Dieser Haß ohne Ursach gegen den Messias ist ein mehr als tausendjähriger; er hat sich durch die langen Jahrhunderte erhalten und ist noch keineswegs erloschen, wenn man auch scheinbar in mancher Hinsicht lobend und rühmend von diesem Jesu zu sprechen angefangen hat. — Also die einfache Möglichkeit eines vieltausendjährigen Hasses ohne Ursach wollen wir keinesweges bestreiten. Aber in Bezug auf obige Behauptung, daß der Haß gegen den Talmud so ungerecht sein soll, weil er durchaus keine Ungeheuerlichkeiten u. s. w. enthalten soll, fragen wir, ob das möglich ist? Ist wirklich der Talmud ein so unschuldiges Werk, und sind dagegen die Christen aller Zeiten so gehässig gewesen, daß sie dem Talmud und dem Judenthume alles Böse „an gedichtet? haben? Verschiedene Stimmen haben sich allerdings gegen den Talmud erhoben; ein Eisenmenger, Wagenseil u.A. haben umfangreiche