Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 5-6 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 den regelmäßigen Unterricht im Industrie-Hause zu ertheilen und die Forscher zur Taufe vorzubereiten, wie auch gelegentlich den deutschen Juden daSEvangelium zu verkünden. Hr. Pred. Bailey hat hauptsächlich die Knaben der Proselyten zu unterrichten, die Juden zu besuchen und bisweilen Englisch zu predigen. Von unfern Proselyten find zwei als Bibelleser angestellt, die mit viel Eifer und Gebet arbeiten, einer, Hr. Stern, unter den deutschen Juden und Hr. Coral unter denspanischen; einer, Hr. Schapira, beim Bücher-Depot, predigt jeden Sonnabend in der Straße, bald zu mehreren, bald zu weniger Juden, die oft lärcken und lästern. Ich bin nicht gewiß, ob die Zeit für solche Predigtweise hier schon gekommen ist. Der Lärm ist gewöhnlich zu groß, so daß die Anwesenden Nichts hören und verstehen; auch ist seitdem den Missionaren der Zutritt in viele jüdische Häuser, wo sie eine offene Thür fanden, verwehrt, wahrscheinlich in Folge des Predigens auf der Straße. So gern wir auch mehr geistliches Leben unter unfern Proselyten sehen möchten, hoffe ich doch, daß Manche in der Gnade und Erkenntniß unsers Herrn Jesu Christi wachsen; mit ihrem äußerlichen Betragen haben wir, mit wenig Ausnahmen, Ursache zufrieden zu sein. Einige Missionare haben in diesem Jahre die Juden in Tiberias, Safet, Damascus u. s. w. besucht, sie hatten viel Gelegenheit das Evangelium zu verkündigen und viele Bibeln zu verkaufen, besonders in Damaskus. Ueber das Werk der Evangelisation der Eingebornen habe ich Wenig zu sagen. Meine vor einigen Jahren gehegten Hoffnungen sind bis jetzt nicht eingetroffen. Die Schrifterkenntniß hat allerdings zugenommen, aber die erwarteten Früchte fehlen. Der heil. Geist muß erst das Wort in den Herzen der Hörer oder Leser desselben lebendig und kräftig machen. So lange die Christen der römischen, griechischen und anderer Confessionen in ihren Kirchen verbleiben, müssen sie sich zu Lehren bekennen und an Ceremonien betheiligen, von denen sie wissen, daß sie dem Worte Gottes entgegen find, und so wird das schwache Licht, welches das Wort Gottes in ihnen angezündet hatte, immer wieder ausgelöscht, und die Stimme eines erwachten Gewissens immer wieder unterdrückt.