Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 1-2 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554733-2554735--04061-2559978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ai mels seien. Unsere unerwartete Ankunft unter ihnen zerstreute diesen wunderlichen Wahn und regte zu ernstem Forschen nach Wahrheit an. Die allgemeine Unwissenheit aber stellte sich für dieses Forschen als großes Hinderniß heraus. Daher begegnete unser'Anerbieten, Schulen zu errichten, einem allgemein gefühlten Mangel. Jung und Alt ergriffen die Gelegenheit, lesen zu lernen, so daß an Orten, wo vor Kurzem nicht einer gefunden werden konnte, der im Stande gewesen wäre zwischen A und B zu unterscheiden, jetzt mehrere sich finden, die mit der heiligen Schrift gut bekannt sind und für das geistige und geistliche Wohl ihrer Religionsgenossen unermüdlich arbeiten. Das größte Hinderniß unserer Anstrengungen zur Erziehung ist der Mangel an gläubigen und tauglichen Lehrern. Wir beabsichtigen fünf Knaben, welche länger als ein Jahr unter Leitung des Herrn Fla d regelmäßigen Unterricht genossen haben, zu diesem Werke zu bestimmen. Unglücklicher Weise ist diese Zahl nicht Hinreichend für das ausgedehnte Feld, und wir müssen daher dieser Zahl, sobald Hütten gebaut werden können, noch fünfzehn Andere hinzufügen. Die Erziehungskosten für zwanzig Lehrer werden nicht die Summe von fünfzig Pfund jährlich übersteigen. ES ist wahr, wir beabsichtigen nicht, sie dazu zu machen, was man in Ehgland Gelehrte nennen würde, ja wir halten uns nicht einmal für berechtigt, sie mit besserer Speise, mit theuren Kleidern oder einem weicheren Lager zu versorgen, als sie in ihren eigenen Häusern hatten. Unsere Hauptaufgabe wird die sein, sie ihre eigene Sprache lesen und schreiben zu lehren, und wenn sie sich dieses geringe Maß von Gelehrsamkeit angeeignet und die Liebe Christi in ihren Herzen wohnend haben, dann werden sie für ihren Posten geeigneter sein, als wenn sie in einem europäischen Seminare eine sorgfältige und vollendete Erziehung genossen hätten. Beim Lesen des oben Erwähnten wird sich natürlich von selbst die Frage aufdrängen: Ist denn das Feld, das für den geistlichen Ackersmann so zugänglich ist, auch der Zahl nach groß genug, um den Aufwand an Lebenskraft, Zeit, Geld und Anstrengung in dessen Bebauung zu rechtfertigen? Auf diese Frage gebe ich dem Verhältniß entsprechend, eine bejahende Antwort. Im Vergleich zu Polen, Deutschland und selbst der europäischen Türkei ist die Einwohnerzahl der Juden in Abyssinien klein und sehr zerstreut; man darf sich jedoch nicht der Furcht hingeben, daß wir für einen unbedeutenden und