Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 1-2 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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IS wir aber auch gestehen, daß Herr Oppert, obwohl ein Professor, dennoch mit der Geschichte ganz unbekannt ist, denn sonst müßte er wissen, daß nur grobe Unwissenheit oder boshafte Lüge eine solche Behauptung aufstellen kann, „das englische Proselytenthum," um bei diesem Ausdruck zu bleiben, zeige stch nur da, wo es ohne persönliche Gefahr handeln kann. Er spricht nicht bloß von der Juden-Missionsgesellschaft, sondern von „dem engl. Proselytenthum jener unnützen Gesellschaften." Da sollte doch ein solcher Mann wissen, daß die Missionäre auf keine persönliche Gefahr achten, wie schon daraus hervorgeht, daß bis in die neueste Zeit herein so mancher Missionär als Märtyrer gestorben ist. Weder die ersten Christen, noch die jetzigen Misstonsfreunde haben den Grundsatz, nur da ihre Missionszwecke zu verfolgen, wo es ohne persönliche Gefahr geschehen kann. Der Herr der ganzen Mission, Jesus Christus, sagte zu seinen Jüngern: „Siehe ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib tödten, und die Seele nicht mögen tödten. Fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle." Matth. 10, 10. 28. Dies Wort gilt auch noch heute für die christliche Mission; die Missionäre brauchen sich nicht in Gefahr zu stürzen, aber sie sollen und dürfen auch nicht vor derselben zurückschrecken. Wenn wir im Bisherigen zunächst eine entschiedene Trennung und dann wieder eine eben so entschiedene Einigkeit oder wenigstens Uebereinstimmung zwischen den Orthodoxen 'und Reformern bemerkten: so bekundet eine Begebenheit, die uns in localer Beziehung ziemlich nahe steht, ein unbestimmtes unentschiedenes Laviren, eine Art von Comprvmiß zwischen den beiden Richtungen, wir meinen nämlich die Wiederbesetzung der durch Geiger's Abgang erledigten Rabbinerstelle in Breslau. Daß Geiger und seine Gemeine, an welcher er eine Reihe von Jahren stand, dem religiösen Fortschritt huldigten, bedarf keines Beweises. Zu seinem Nachfolger hat die Gemeine einen bisherigen Lehrer am jüdisch-theologischen Seminar, vr. Joel, gewählt. Da genanntes Seminar den Ruf hat, streng orthodox zu sein — „der Israelit" sagt: „die Anstalt zählt sich zu den streng orthodoxen:" — so sollte man doch billig erwarten, daß