Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 11-12 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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191 Dies Bewußtsein zwingt mich offner gegen sie zu sein, als sonst nöthig wäre, und ihnen sofort zu sagen, daß sie keine zeitlichen Vortheile vom Uebertritt zum Christenthume zu erwarten haben, ja ich kann ihnen nicht einmal die Aussicht eröffnen, daß sie das Röthigste zum Leben erhalten werden. Während der letzten Tage bekannten mir nicht weniger als vier, scheinbar um das Heil ihrer Seele besorgte Juden ihren Glauben an den Erlöser und baten mich um weitern Unterricht; aber ich hielt es für meine Pflicht, ihnen mit den Worten Petri zu sagen: „Silber nnd Golv habe ich nicht," und sie an die Antwort Christi zu erinnern, die er in seinen Tagen einem von denen gab, die ihm Nachfolgen wollten: „die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinleget. Der Jünger ist nicht über seinen Meister, und der Knecht nicht über seinen Herrn." Dieser Umstand erschwert es einem erleuchteten, armen Sohne Abrahams in der That gar sehr, seine aufrichtige Ueberzeugung kund zu thun, und seinen Glauben an den gekreuzigten Heiland öffentlich zu bekennen; und eS ist kaum weniger schmerzlich für den Missionar, in einen solchen zu dringen, das zu thun, was ihn in das größte leibliche Elend stürzt und allen Versuchungen, die den Armen und Bedürftigen auf seinem Wege umgeben, die Thür öffnet. Es ist in der That traurig, daß es so ist; aber, ach! ich sehe keinen Ausweg, demselben abzuhelfen. Wäre ich im Stande, gläubigen Israeliten Beschäftigung zu geben, so würde ich oft die Freude haben, ihnen anzeigen zu können, daß Seelen zu der Gemeinde Christi hinzugethan sind. So sehen Sie denn die Hindernisse, die mir in den Weg gelegt sind, und es sind Hindernisse, die kein Sterblicher entfernen kann. In jeder andern Hinsicht habe ich keine Ursache zu klagen, sondern nur dankbar zu sein. Wenn ich auf die kurze Zeit, die ich hier bin, zurücksehe, und die unüberwindlichen Schwierigkeiten überblicke, welche durch Gottes Gnad? überwunden sind; wenn ich an die Gefühle denke, welche die Juden bei meiner Ankunft durchdrangen, und den großen Fortschritt in der Ausrottung ihrer ticfgewurzelten Vorurtheile gegen