Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 11-12 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Proben jüdischer Schristerklärung. In Nr. 23 der Zeitschrift: „Der Israelit, ein Centralorgan für das orthodore Judenthum" ist unter der Ueberschrist: „Agadische Exegese nach dem Midrasch Rabba" folgende Erklärung über 1 Mos. 15, 5, 6 zu lesen: „Die Stelle der heil. Schrift (1 Mos. 15, 5.) Und er führte ihn heraus, und sprach: Sieh' gen Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst, und sagte ferner zu ihm: So wird deine Nachkommenschaft sein, erklärt R. Lewi, Namens R. Jochanan mit folgender Erzählung: Ein Reisender verirrte sich einst in eine öde Wüste, wo er zehn Tage wanderte ohne eine Stadt oder irgend eine Herberge zu finden um dort übernachten zu können: er sah auch weder einen Baum, um unter dessen Schatten ausruhen, noch eine Wafferquelle, um seinen brennenden Durst stillen zu können. Er traf auch kein lebendes Wesen dort, um wenigstens sich nicht ganz allein und einsam in dieser elenden Wüste zu sehen. Rach Verlauf dieser für ihn so schmerzvollen 10 Tage erblickte er endlich einen Baum in der Ferne, unwillkührlich stieg der tröstende Gedanke bei ihm auf, daß vielleicht dort auch eine Wafferquelle sei, welche das Wachsthum des Baumes befördert. Er raffte daher seine noch übrigen Kräfte zusammen und eilte muthigen Schrittes zu dieser hoffnungsvollen-Stelle hin. Wie entzückt war er dann, hier einen herrlichen Baum mit schattenreichen Zweigen und angenehmen bereits reifen Früchten zu finden, und gleich neben ihm eine frische und reine Wafferquelle. Er ruhete gleich aus unter dem kühlenden Schatten des Baumes, aß von dessen Früchten, und trank aus der Quelle. So gelabt und erquickt machte er sich frisch gestärkt wieder auf, um von Neuem seine Reise fortzusetzen. Bevor er weiter ging, fühlte er sich gedrungen, seine inner» Dankgesühle selbst dem leblosen Baume gegenüber mit folgenden Worten auszudrücken. Er sagte daher: „„Herrlicher Baum! Mit was soll ich dich jetzt bei meinem Abschiede segnen? Daß dein Schatten kühlend sei? er ist es schon. Daß deine Zweige schön und anmuthig, deine Früchte süß und schmackhaft sein sollen? Sie sind es schon. Daß eine Wafferquelle