Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 11-12 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 „Dazu kam nun noch, um mich vollends niederzuschlagen, die herrschende Theilnahmslostgkeit gegen die Sache Israel. In einer Zeit, wo das prophetische Wort entsiegelter ist als je zuvor, ist diese Theilnahmslostgkeit doppelt und dreifach schimpflich und verdammlich. Was frommt eS, von dem zukünftigen Heile Israels eine bessere Erkenntniß zu haben, als unsre Väter, wenn wir die Triebkraft dieser Erkenntniß geflissentlich ersticken, und was hilft es, der sogenannten Heidenkirche die zukünftige Wiederbringung Israels als ihre eigene Vollendung vorzumalen, wenn den schönen Reden keine Thatbeweise folgen, welche beurkunden, daß die heilsgeschichtliche Anschauung Israels über den gemeinen Judenhaß deS großen Haufens hinaushebt? An diesem Doctrinarismus, der im Leben die Carricatur seiner eignen Doctrin ist, leidet vorzugsweise unsere lutherische Kirche. Selbst dafür, daß die Sache Israels sie so regungslos läßt, hat sie das Ruhepolstcr einer Doctrin. Aber wenn der Apostel Röm. 11, 85 sagt, daß, nachdem die Fülle der Heiden in das Reich Gottes eingegangen, ganz Israel selig werden wird, so will er die Kirche eben damit vor jenem richterlichen Dünkel, jener verzweifelnden Kaltsinnigkeit warnen, wodurch sie sich selbst ihrer Liebespflicht gegen das Israel der Gegenwart entbindet. Sowohl Zukunft als Gegenwart verdammen, wie er zeigt, diese herzlose stolze Gleichgültigkeit, welche Israel verloren giebt. Die Gegenwart verdammt sie, denn er selbst, Paulus der Benjaminit, und alle die an Jesum den Christ gläubigen Israeliten, deren Zahl weit größer ist, als sie vor Menschenaugen zu sein scheint, sind Thatbeweise dafür, daß Gott sein Volk nicht gar verstoßen, und desgleichen die Zukunft, denn auch der jetzt verstockte Theil des israelitischen Volkes ist eS nicht in peremtorischer Weise, auch dieser ist noch zum Heile aufbehalten und also rettungsfähig und ebendeshalb behält er auch in seinem heidenapostolischen Berufe Israel im Auge, ob er die, so sein Fleisch sind, zur Nacheiferung reizen und ihrer etliche selig machen möchte. Wie unpaulinisch ist es demnach, von der kirchlichen Missionsthätigkeit die Mitbeziehung auf Israel geflissentlich fern zu halten! Und wie so grunvverkehrt ist es, sich dafür auf das prophetische Wort des Apostels zu stützen! Er führt dort Jes. 59, 8V, 81 11*