Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 7-8 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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99 Glück hatten, eine solche christliche Erziehung zu genießen, daß sie auch einen klaren Begriff und eine feste Ueberzeugung von der Wahrheit ihres Christenthums erlangt hätten: haben wir Israeliten gefunden, die man für so verhärtet hielt, daß sie für jeden religiösen Eindruck unempfänglich seien, die aber an diesem Nachtrage zu ihrer heiligen Geschichte ihre Freude fanden und gleichsam festgebannt in der Offenbarung dieses bisher verachteten Buches forschten. Dieser erfreuliche Zug kann vielleicht zum Theil von der Rastlostgkeit deS jüdischen Geistes herrühren, die sich noch bei ihnen findet. Viele von ihnen, überdrüßig der talmudischen Lehre, nahmen vor einiger Zeit ihre Zuflucht zur religiösen Reform. Eine Zeit lang gefielen fie sich in dem Gedanken, daß sie'in diesem neuen Götzen eine Vollkommenheit entdeckt hätten; aber diese Reform hat sich nicht bewährt, und die Verehrer derselben suchen ein anderes System, das ihren Bedürfnissen besser entspricht. Ihr Suchen ist aber vergeblich, so lange sie bei einer blos äußerlichen Erkenntniß des Gottes ihrer Väter stehen bleiben. Jene Worte, die einst zu einer Person von einem andern Volk gesprochen, mit dem die Juden keine Gemeinschaft hatten, sind jetzt im allerstrengsten und schärfsten Sinne aus das jüdische Volk selbst anwendbar und die Heidenchristen dürfen jetzt mit allem Recht zu diesem Volk sagen: „Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet, wir wissen aber, was wir anbeten." Und wiewohl die folgenden Worte: „das Heil kommt von den Juden," noch immer Wahrheit find und bleiben, so haben die Juden doch, weil fie den Messias verworfen haben, ihren persönlichen Antheil an diesen Worten verloren, und das, was Andere durch sie erlangt haben und ihnen verdanken, bringt ihnen selbst keinen Segen. „DasReueTestament wirst aber mit einem Male Licht in diese traurige Lage, und wenn der Jude es aufmerksam liest, so findet er hier Ausschluß und das wahre Heilmittel. Es ist daher auch nicht zu verwundern, daß, wenn er nur erst seine Vorurtheile so weit überwindet, das Neue Testament aufrichtig zu erforschen, es ihm schwer wird, ein Buch wegzulegen, das ihm ein Leitfaden wird, an dem und 7*