Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 9-10 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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131 sich fortziehen, bis sie endlich wiederum wie ein breiter Goldsaum in der Person des Königs David hervortreten. Nachdem der Herr ihm den Tempelbau versagt, dafür aber die großartige Zusage gemacht hatte, daß aus seinem Geschlechte der Davidssohn hervorgehen werde, welcher den Fluch des Gesetzes auf sich nehmen würde, den Gott allen Uebertretern in so furchtbarer Weise angedroht habe, der durch seine stellvertretende Genugthuung, durch seinen thätigen und leidenden Gehorsam eine ewig gültige Versöhnung zu Tage fördern würde und David jetzt tiefe Blicke in die innere Geschichte des Reiches Gottes that und seine herrlichen messianischen Lieder sang, so wurde jetzt Kern und Herz der Propheten der große Davidssohn. Ich führte die Stelle Jesaias 8, 6. 7. an: „Uns ist ein Kind geboren rc." und noch ein paar andere prophetische Stellen, wie Jes. 60,1 — 6: „Mache dich auf und werde Licht rc." Der Rabbi mochte eS mir nachfühlen, wie ich von dem, was ich sagte, durchdrungen war, weßhalb er auch meine längere Auseinandersetzung, die in Gegenwart seiner Familie stattfand, mit keiner Sylbe unterbrach und nur, nachdem ich stille ward, mir sagte, ein Buch Namens Kusseri in hebräischer Sprache geschrieben, von einem gewissen Burgsdorf übersetzt, wolle er mir als ein solches empfehlen, welches in gediegener und bündiger Weise die Grundsätze der mosaischen Religion geltend zu machen verstände; vielleicht würde ich von Neuem die Religion meiner Väter lieb gewinnen; worauf ich versicherte, wie mich weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Leben noch Tod von der Liebe des Herrn werde scheiden können, der da gesprochen hat: „wen da dürstet, der komme zu mir und trinke." Wenn doch auch, was diese meine Unterredung anbelangt, die Verheißung wahr werden möchte: „MeinWort soll nicht leer zurückkehren, sondern thun und ausrichten, wozu ich es gesandt habe" und eine solche jüdische Persönlichkeit, eine solche Milde, wie sie hier wohlthuend entgegen tritt, durch den Geist des Evangelii geheiliget werden möchte, dann würde auch sein Herz und Leben die Liebe durchdringen, deren Hymnus 1. Corinther 13: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete rc." in so herrlicher Weise ertönt. Beim Fortgehen drückten wir uns innig die Hände. Zch erlaubte mir,