Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 1-2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554717-2554719--03647-2559552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SS Kirchen offen stehen?" Und die verlorenen Schafe des Hauses Israel sollen sich selbst überlassen bleiben, bis sie von selbst kommen! Wie sollen sie denn Etwas vom Christenthum und von Christo wissen, wenn ihnen nicht gepredigt wird? Was sie im Allgemeinen im Leben und Wandel der Christen sehen, hat keinen sonderlichen Reiz sie anzulocken. Wenn „einmal ihre Neugierde" hie und da „erregt würde" und Einer oder der Andere käme in eine Kirche, hörte nun aber da eine Predigt, wo Israels auf die Weise gedacht wird, wie Pastor Harms von demselben spricht, daß „das Judenvolk so hartnäckig und verstockt ist," daß „die Predigt an dasselbe nichts hilft," und sie „verstockt sind" und bleiben — was, fragen wir, würde wohl der Nutzen solcher Predigt sein? würde das ein Antrieb und Reiz sein, noch ferner zu kommen?— Wir wollen gern zugeben, daß die Judenmission unnütz und überflüssig sein könnte, und jeder Freund Israels wird wünschen, es möchte so sein, daß besondere Anstalten, die Judenmisston, und besondere Männer, die Judenmissionare genannt werden, unnütz und überflüssig wären; aber das ist nur dann der Fall, wenn die Christen insgesammt wahre Christen, ächte Glieder des Leibes Christi wären, die sich angetrieben fühlten, durch ihr ganzes Leben, in Wort und Wandel, Israel zu locken, ihnen Christum zu verkündigen, wenn die Christen im Allgemeinen den einzelnen nachgehen, mit ihnen über ihr Seelenheil sprechen, aus der Schrift ihnen darthun möchten, so oft sie mit Einem oder dem Andern zusammenkommen, daß der Messias gekommen, daß in keinem AndernHeil ist, als in Jesu Christo — wenn das die Christen allerwegen thun und so Israel nöthigen und einladen möchten, hereinzukommen, dann wäre allerdings eine besondere Judenmisston für die Juden wenigstens überflüssig, die unter Christen leben. So lange das nicht der Fall ist, wird es nöthig sein, eine Judenmission zu haben, wenn auch nur diese Einzelnen kommen sollen. Aber zu sagen, sie kommen von selbst, ist eine Sprache, die nach unserer Meinung dem Worte Gottes ganz fremd ist, die wir weder aus dem Munde des Herrn, der den Einzelnen nachging und sie mit aller Mühe und allem Fleiß suchte, vernehmen, noch aus dem Verhalten irgend eines Apostels lernen; es ist eine Sprache, die eines christlichen Predigers unwürdig ist und von der man wünschen muss,