Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 7-8 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 lichen und wahren Israel, von dem Kern mitgetragen und gehalten, so daß trotz der Menge, die nur die Schale bildete, dennoch das Ganze äußerlich als Volk Gottes da stand. Wo nun beide Momente vereinigt sind, die leibliche Abstammung und die Erfüllung des Berufs, da ist Israel in der That und Wahrheit. Wo aber eins dieser beiden Momente fehlt, da ist nicht Israel im vollen und wahren Sinne hes Wortes; sondern entweder nur eineFortsetzungderfleischlichenAbstammung, wie wir dieselbe in den heutigen Juden haben, oder nur eine Fortsetzung des Volkes Gottes, wie die christliche Kirche es ist; keinesweges aber ist die letztere eine Fortsetzung Israels. In Saul, dem Sohne Kis, aus dem Stamme Benjamin, beginnt das Königthum in Israel. Wird man aber sagen oder sagen können, daß David und die späteren Könige eine Fortsetzung des Hauses Saul gewesen wären? Sie setzten wohl das Königreich Israels fort, aber nicht den König Saul, denn David war von einem andern Stamme. Und wiederum kann man nicht sagen, daß Jerobeam und die-folgende Könige im Zehnstämmereich eine Fortsetzung des David'schen Königsthrones gewesen wären. Man mag nun das Moment der leiblichen Abstammung so hoch oder niedrig anschlagen, wie man wolle, jedenfalls ist es vorhanden und kann nicht weggeleugnet, sondern muß anerkannt werden, und kommt in Betracht. Die christliche Kirche im Ganzen und die christlichen Völker im Einzelnen und Besonderen entbehren aber dieses Momentes, und so wenig sie daher das geistliche Israel sind, so wenig sind sie die legitime Fortsetzung Israels, wie wir in dem Vorhergehenden gesehen haben. Wir können daher auch die christliche Kirche nicht als das Israel des neuen Bundes betrachten; son» dern müssen vielmehr sagen, daß wir in der Zeit, seitdem Israel um seines Unglaubens willen von dem Oelbaum abgebrochen ist, kein Israel im vollen und wahren Sinne des Wortes haben. Wir sagen abermals, wir Christen haben, als Volk GotteS, alle Heilsgüter und Gnadenschatze, alle geistlichen Segnungen, deren Israel möglicher Weise theilhaftig werden konnte und kann; wir haben das volle und vollkommene Heil ohne alle Beeinträchtigung; aber darum sind wir doch nicht Israel. Es ist zum Seligwerden eben so wenig nöthig ein ZSraelit zu sein und zu werden, wie es nöthig ist ein Engländer zu