Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 3-4 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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87 Eure Selbstgerechtigkeit und all' eure vermeintlichen guten Werke müssen zu seinen Füßen gelegt werden! Er liebt nicht die „gerechten" Leute; er liebt die Sünder. „Auf den will ich sehen," sagt das göttliche Wort, „ja auf den, der arm und zerbrochenen Geistes ist, und sich fürchtet vor meinem Wort." „Selig sind, die geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr." Und nicht allein das, sondern ihr müßt bereit sein eure Palmen, eure Weiber und selbst euer eigen Leben um feinet willen hinzugeben. Seid ihr zu all diesem bereit? fragte ich in einem feierlichen Tone. Jtakh lachte und seine Frauen ahmten ihm nach und lachten auch. O, sagte ich, das thut ihr, weil ihr fleischlich seid, die Dinge aber, von denen ich spreche, sind geistlich. Wenn ihr eure eigenen Herzen, eure beklagenswerthe Unwissenheit, euer Verderben und eure Hülflosigkeit kenntet; wenn ihr wüßtet, wie ihr euch gegen den Heiligen empört, wie ihr ihm mit euern Sünden Mühe gemacht, wie ihr ihn beleidigt und daß ihr Nichts und Niemanden habt, der euch versöhnen kann; wenn ihr die Ursache wüßtet, warum ihr keinen Frieden habt und gleich einem wankenden Rohr und dem wogenden Sande der Wüste seid, ihr würdet wahrlich keinen Raum zum Lachen finden — nein, ihr würdet in einen Strom von Thränen ausbrechen, und würdet dann vielleicht bereit sein, Gott aufzunehmen und Alles, ja euch selbst ihm hinzugeben. Die Bibel. Als ich Jtakh verließ, begleiteten mich meine Freunde bis in meine Wohnung. „Was haben Sie in Ihren Kisten?" fragte der alte Rabbi neugierig, „Handelsartikel?" „Handelsartikel", erwiederte ich, „aber solche, die besser sind, als Silber." Ich nahm ein Eremplar deS Alten Testamentes heraus und gab es ihm mit dem Versprechen, andere Bücher mitzubringen, wenn ich ihn besuchen würde. Seine dankbaren Aeußerungen, seine Geberden und sein Küssen des Buches waren in der That rührend und geeignet, auch bei dem Unempfindlichsten Mitleid und Freude zu erwecken. Jtakh und die Uebrigen sahen lüstern nach den Kisten, welche die kostbaren Gegenstände enthielten, aber sie enthielten sich darum zu bitten.