Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 9-10 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554702-2554707--03376-2559273- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
158 verabscheut, um welcher willen wir noch leiden, die Vorwürfe, die Lügen, die Verleumdungen, die verbreitet, wiederholt, genährt werden, die Verweigerungen der Gerechtigkeit, die geduldet, die Verfolgungen, die gerechtfertiget, entschuldiget werden; wenn Ihr der Meinung seid, daß die älteste und einfachste der geistigen Religionen ihren Platz behaupten, ihre Mission erfüllen, ihre Rechte verkünden, ihre Lebenskraft in der großen sind immer thätigeren Bewegung der Ideen, in dem immer heißer werdenden Kampf der Theorieen in der modernen Gesellschaft offenbaren soll; wenn Ihr meinet, baß der erhabne Gedanke und die strenge Anbetung Eines Gottes, wovön wir die alten Träger und eigensinnigen Vertheidiger ffnd, je vor selbstsüchtiger Berechnung, Zweifel und Gleichgültigkeit sorgfältiger gewahrt werden sollte; wenn Ihr der Meinung seid, daß Gewissensfreiheit, das Leben der Seele, nirgends besser für alle Menschen geschirmt wird, als in den Staaten, in welchen die Juden sie vollständig genießen; wenn Ihr meinet, daß der Glauben unsrer Vorfahren für einen Jeden ein heiliges Erbgut ist, daß die Heimalh und das Gewissen unverletzlich sind, daß das, was man noch unlängst hat sehen müssen, nicht wieder zum Vorschein komme; wenn Ihr denkt, baß Union etwas Gutes ist, daß Ihr, bei aller Theilnahme an den verschiedenen Nationalitäten, dennoch unabhängig von allen Parteien, Eure gemeinschaftlichen Meinungen, Wünsche und Hoffnungen haben könnt; wenn Ihr der Meinung seid, daß Ihr durch gesetzliche Mittel, durch die unbesiegbare Macht des Rechts und der Vernunft, ohne irgend einen Aufruhr zu veranlassen, ohne irgend einen Herrscher zu beunruhigen, ohne irgend welchen Zorn zu erregen — es sei denn aus Unwissenheit, bösem Willen und Fanatismus — viel erlangen könnt, um wieder viel zu geben durch Euer Thun und unbezweifelte Intelligenz; wenn Ihr glaubt, daß eine große Menge Eurer Religionsgenossen, die noch unter dem Elende der Gewaltthätigkeit und der Aechtung von zwanzig Jahrhunderten niedergedrückt sind, ihre Menschen- und Bürger-Würde wiedererlangen kann; wenn Ihr der Meinung seid, daß der Schlechte herumgeholt, aber nicht verdammt, der Finsterling erleuchtet, aber nicht verlassen, der Gefallene aufgerichtet und nicht bloß bemitleidet, der Verlästerte vertheidigt und nicht zum Schweigen gebracht, dem Verfolgten geholfen und nicht ein bloßes Geschrei gegen Verfolgung erhoben werden sollte; wenn Ihr glaubt, daß jetzt zerstreute Hülfsmittel, vereinzelte Anstrengungen, unangemessener Einfluß, vage Wünsche, unbestimmte