Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 9-10 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554702-2554707--03348-2559245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
130 in die Kirche gehören. Da nun aber die Bibel die Bekehrung Israels nicht nur für möglich, sondern für ganz gewiß erklärt, so nimmt mäü ftine Zuflucht zu einer Schtiftauslegung, die überall, wo offenbar dem leiblichen Israel, den buchstäblichen Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs noch eine große und allgemeine Gnadenheimsuchung verheißen ist, nur ein geistiges Israel, d. h. die christliche Kirche finden will. Zur Rechtfertigung einer solchen Bibelerklärung betüft man sich auf diese und jene Autorität, namentlich aufvr. Luther und man meint und fürchtet, man höre auf ein Lutheraner zu sein, sobald man sich mit der Judenmission befasse. Dies ist aber keineswegs der Fall; sondern da Luther zu verschiedenen Zeiten über diesen Punkt offenbar ganz, entgegengesetzte Meinungen hatte, die unmöglich beide richtig und dem Worte Gottes gemäß sein können: so lassen wir den Luther fahren, der nicht mit dem Zeugniß der heiligen Schrift übereinstimmt — denn wir sollen und dürfen ja nicht der Menschen Knechte werden und unser Glaube soll bestehen nicht auf Menschen Weisheit und Wort, sondern aus Gottes Kraft und Wort — und wählen, wie auch das lutherische Kirchenblatt sagt, den Luther, der noch unbefangen redet und das klare Wort der Schrift für sich hat. Ein solches noch unbefangenes Zeugniß und Bekenntniß ist das, welches wir aus Richters erklärter Hausbibel mittheilen, das er bei Psalm 14, 7: Ach daß die Hilfe aus Zion über Israel käme u. s. w. anführt. Diejenigen Ausleger, sagt Richter, welche meinen, vr. Luther habe nichts verstanden von den Weissagungen der heiligen Schrift, welche die noch bevorstehende Bekehrung der Juden verheißen, mögen aus vielen andern seiner spätem Aeußerungen darüber auch folgende über Vers 7 beherzigen. Er sagt: „Ich habe angemerkt, daß die berühmtesten Väter dieses verstehen von denen Jüden, daß sie noch endlich sollten bekehret werden. Wenn dieses wahr istso muß der Psalm von Anfang an auf die Zeiten Christi gezogen werden, da die Synagoge dermaßen verblendet wardaß viele, nämlich die Sadducäer, auch leugneten, daß ein Geist und Engel und eine Auferstehung des Fleisches wäre; wie Lukas in der Apostelgeschichte am 83,8. berichtet, und Christus