Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 5-6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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78 kleine juden-christliche Stadt; er ist Hauptgründer der Kirche in ihrer Mitte, in welcher vor etwa zehn Jahren der Bischof von Calcutta angesichts der jüdischen Kinder und Abendmahlsgemeinde zu dem Ausruf hingerissen ward: Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen! So ist die Mission der Kirche an die Juden wenigstens anfangsweise aus einer Mission des Fluchs, auf welcher der Fluch geruht hat, zu einer Mission des Segens geworden, welchen Gottes sichtlicher Segen begleitet. Diese Wandlung ist das Werk betender Liebe, weinender Liebe, hingebender, rastlos suchender Liebe gewesen. Aber es wird noch lange dauern, ehe solche Liebe die Menge der an Israel begangenen Sünden zudeckt. Denn der Wahn, daß das Christenthum eine Religion fanatischen Haffes sei, ist von der Kirche zu tief mit tausend Marterwerkzeugen in das Bewußtsein Israels eingegraben, und wenn dieser Wahn in Ruhezeiten einer bessern Stimmung wich, so ist er bis auf die neueste Zeit durch immer neue Blutbäder wieder aufgefrischt worden. Was wissen Schriften, wie die über die synagogale Poesie des Mittelalters von Zunz1855, die von Wiener deutsch übersetzte Geschichte der jüdischen Verfolgungsleiden, betitelt Emek ha-Bacha (Thränenthal) 1858 und Kayserlings Romanische Poesien der Juden in Spanien 1859 ihren Volksgenossen für Greuelthaten christlicher oder vielmehr unter dem Deckmantel des Christenthums entfesselter Verfolgungssucht zu erzählen! O Gott, der du die Missethat tilgest wie eine Wolke und die Sünde wie den Nebel, räume doch der Mission der Liebe an das Volk deiner Wahl diese von der Kirche im Zustande diabolischer Verblendung aufgethürmten Hindernisse aus dem Wege! Deine Kirche ist ja zur Segensmittlerin für die Menschheit bestellt, und der Segen, den sie Israel und den Völkern übermitteln soll, ist der von dem Gottmenschen, der aus unaussprechlicher Liebe am Kreuze ein Fluch für uns Sünder ward, erworbene Segen, und diesem Segen öffnet sie die Herzen der Menschen nicht anders, als in Kraft des Glaubens an die gekreuzigte Liebe und in der Kraft der Liebe nach dem Vorbilde der gekreuzigten Liebe. O so gieb deiner Kirche zu unüberwindlichem hellem Glauben unverlöschliche feurige Liebe wie in der apo-