Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 1-2 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 mit ihrer Religion. Beide Theile kommen sich auf gleiche Weise in gleichen Schritten entgegen. Die Juden reformiren bei allem Gründen ihrer „Bibel-Anstalt" die biblischen Wahrheiten immer mehr aus dem Judenthume hinweg; die Bibel darf keine Wunder, nichts Uebernatürliches, keinen Zorn Gottes, keinen Sündenfall, keine versöhnende Opfer-Anstalt u. s. w. enthalten; Elias wird wegen seines fanatischen Haffes, ein anderer wegen einer andern Untugend, etwa wegen seiner Schwärmerei, aus der Zahl der Propheten gestrichen, und kurz Alles das preisgegeben, was etwa hie oder da Anstoß geben könnte. So nähert sich Israel mit Verleugnung seines Gesetzes und seiner Propheten den Christen. Und da eine Hand die andre wäscht, eine Höflichkeit die andre erfordert, so kommen ihnen die sogenannten Christen eben so „human und tolerant" entgegen. Auch sie werfen keinesweges die Bibel weg, sie behalten auch das N. Test., ohne dadurch ihren jüdischen Brüdern etwa Anstoß zu geben, bei; denn die heutigen Juden finden viele „Sprüche, Parabeln und Gleichnisse" in demselben sehr „schön." Christen und Juden sind nur einverstanden, daß die ganze Bibel nichts enthalten kann und darf, was über die hoch gepriesene Vernunft geht. DaS Dogma von der Dreieinigkeit darf daher nicht nach den Vorstellungen der früheren Dogmatiker erklärt werden, sondern es muß so geschehen, wie eS der Vernunft einleuchtet, und wie diese es bestimmt; Jesus Christus heißt und ist nur in dem Sinne ein Sohn Gottes, wie jeder Bube es ist; die Lehre von der Rechtfertigung eines armen Sünders vor Gott durch den Glauben an Jesum Christum ist ein veraltetes Mährchen: kurz, das Wesen des'Christenthums wird aus dem alten und neuen Test, wegerklärt, und es kommt die allertraulichste Einigkeit zwischen Juden und Christen und der ganzen Welt zu Stande; denn wir glauben all an einen Gott — Christ, Jude, Türk und Hottentot. Zum Theil und dem Anfänge nach sehen wir diese Vereinigung bereits mit unfern Augen verwirklicht vor uns in den Lichtfreunden oder den sogenannten freien Gemeinden. Auf diese Weise kann wohl nach und nach in nicht gar ferner Zukunft eine vortreffliche bürgerliche und religiöse Emancipation und Gleichstellung ins Leben treten. Elemente genug sind vorhanden,