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Dibre Emeth · 1860-01-01 · 1-2 (1860) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
16 (1860)
Issue
1-2 (1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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s Es ist uns nicht bewußt, daß sich im verflossenen Jahre irgend welche große und auffallende Erscheinungen im Judenthume kund gegeben hätten. Man ist seinen gewohnten Gang in ziemlicher Gleichgültigkeit gegen alles Religiöse fortgegangen. Der Materialismus, das goldene oder man möchte sagen, das irdene Kalb, ist noch immer der Götze, um den sich Alles dreht und bewegt, an den man denkt, für den man lebt,, der die Triebfeder ist, von der Alles aus- und ebenso das Ziel und der Zweck, worauf Alles hingeht. Ein wahrer Israelit, ein Apostel des neuen Testaments, nennt es den irdischen Sinn, der sich zugleich als stete und entschiedene Feindschaft des Kreuzes Jesu Christi kund giebt. — In inniger Verbindung mit diesem irdischen Sinn steht das anhaltende Bemühe» und Streben nach völliger, unbeschränkter Emancipation. Viele der aufgeklärten Rabbiner und Kämpfer des modernen Reformjudenthums führen bittere Klagen über die materialistische Richtung,die den Synagogenbesuch und die andern religiösen Gebräuche, schnöde vernachläßigt und sich um die Religion des Judenthums fast ebenso wenig kümmert, wie um den Buddhaismus. „Die Religion hat," wie die Allg. Z. d. I. in Nr. 38, S. 545, 1859 sagt, „fast alle Posten vor dem Materialismus der Zeit verloren." In Absicht auf Emancipation aber ist man ein Herz und eine Seele. Das ersonnene Losungswort von „einerlei Recht für Alle," das man gern in die Bibel einschmuggeln oder wenigstens aus derselben herleiten möchte, ertönt bei jeder Gelegenheit, das wird immer frisch und munter ausgerufen. Hin und wieder ist ihnen auch im vergangenen Jahr ein Lichtstrahl von Hoffnung dieser Art aufgegangen und mancher Schritt weiter geschehen, so daß die Erfüllung dieses Wunsches immer näher heranrückt. In unserm Vaterlande ist den Juden wieder Manches gewährt worden, was ihnen bis daher versagt war, wie z. B. Zulassung zu den Kreistagen und die Anstellungsfähigkeit jüdischer Lehrer an christlichen Schulen. Von letzterem Punkte erzählt die genannte Zeitung S. 549 einen Fall aus Berlin. Eine im König!. Seminar gebildete und geprüfte Jüdin war an einer christlichen Privatschule für Töchter beschäftigt. Der Specialaufseher der Anstalt, ein Geistlicher, drang auf die Entfernung der Jüdin.

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