Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 zelnen, so aus dem Ganzen dieser Zeugnisse gezogen wird, lautet: also ist Gott nicht „der Gott, der Fluch walten ließe über einem Volke Jahrtausende lang," und also ist auch Israel nicht unter dem Fluche. Run, ein Schluß ist das allerdings, aber ein rabbinischer, ein Schluß wie der allbekannte: Du sollst das Böcklein nicht kochen in der Milch seiner Mutter, also — mußt du, weiin du Fleisch gegessen hast, mehrere Stunden warten, ehe du Milch oder Butter oder Käse essen darfst; oder: also — darfst du kein Messer, mit dem du Fleisch geschnitten hast, nehmen und Butter damit schneiden. Das sind rabbinische Schlüsse, klar, wie — Weil Gott die Liebe ist, kann er nicht zürnen. Liebe und Zorn sind zwei verschiedene Sachen, also müßten wahrscheinlich auch zwei Götter sein, ein Gott der Liebe und ein Gott des Zorns, wenn es anders einen zürnenden und rächenden Gott gäbe; ein Gott der segnet, kann doch nicht fluchen! Weil Israel so viele Gebote hat< daß es heilig, gerecht, liebreich sein soll: so folgt nothwendig nach dieser rabbinischen Folgerung, daß Israel auch heilig ist, und daß es daher auch unmöglich unter dem Fluch, unter der Strafe sein kann. Wer anders schließt, wer etwa sagen und folgern möchte: Israel hat aber die Gebote Gottes nicht gehalten, hat „seine gottgesandten Propheten" verachtet, getödtet, und „ihre Schriften" nicht „als Richtschnur seines Lebens angesehen," sondern ist seinen eigenen Gedanken nachgegangen und darum ist es unter dem Fluche — wer so schließen will, der ist ein „Wahrheitsschänder" mit „dem Trugbilde der Lüge," der „lästert." Warum feiert denn vr. Fr. noch einen „Versöhnungstag" und setzt dieses Wort sogar auf das Titelblatt seiner Predigt, indem er sie bezeichnet: „als Schlußpredigt am Versöhnungstage?" Warum entfährt ihm denn in der Einleitung seiner Predigt und noch einmal Seite 7 das Wort von dem „schönen und erhabenen Tage der Sühne?" Wenn sein Gott nur ein Gott der Liebe ist, der nicht zürnet, und noch obendrein „das Volk seine gottgesandten Propheten ehrt und ihre Schriften als Richtschnur seines Lebens ansteht, und sie lehret seine Kinder," auch nicht „unter dem Fluche Gottes steht," wozu denn eine so außerordentliche Feier eines Versöhnungstages, da der Herr Prediger mit seinen Gemeindegliedern