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Dibre Emeth · 1857-01-01 · 12 (1857) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
13 (1857)
Issue
12 (1857)
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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200 größte Mangel ist ihr unglückliches Loos, und als ob das jahrelange Elend das selige Gefühl der Hoffnung vernichtet hätte, sind sie ergeben und zufrieden, wenn sie im Schweiß des Angesichts so viel erwerben können, um die Bedürfnisse eines elenden Lebens zu befriedigen. Auf dem Markte, in den Khans, in den Straßen und wo man nur gehen mag, ist der hagere, bleiche und von Sorgen gequälte Jude, das bemitleidendste Geschöpf. Sieht man ihm ins Gesicht, so liest man auf seiner gerunzelten Stirn dieKämpfe eines verwundeten und geängsteten Herzens, beobachtet man seinen Gang, so sieht man in seinen schleichenden Tritten die quälende Furcht, welche seine verletzte und erschütterte Gestalt durchdringt; selbst seine unsauber» Lippen, sein Haupt ohne Turban und sein dolchloser Ledergürtel, alles dieses bezeichnet den verachteten und niedergetretenen Juden. Während der Regierung der Imams, welche sich der Abstammung von der Familie Hoschems, der Vorfahren Mohameds rühmten, war die Lage der Juden noch erträglich, aber als vor drei Jahren die Macht dieser irdischen und geistlichen Häupter durch den Mord des Jehia ibu Mahomed ihr Ende erreichte, schwand ihr letzter Schutz, wurde ihr letzter Zufluchtsort hinweggeschwemmt. Die neue Zeit der Freiheit, welche die schwachen Schranken des Gesetzes durchbrach und jeder wüthenden und finstern Leidenschaft Spielraum gab, wurde so fort dadurch eingeweiht, daß man den jüdischen Stadttheil der unbarmherzigen Grausamkeit des losgclassenen und blutdürstigen Pöbels überließ. Acht Tage hindurch war er die Scene von Grausamkeiten und Verbrechen, von Raub und Plünderung — die zu herzzerreißend sind, um sie zu beschreiben — zu demüthigend für die menschliche Natur, um sie zu lesen. Dulder ohne Freunde! Unglückliche Verbannte! kein Wunder, daß ihr euch herzlich nach der Ankunft des Erlösers sehnt — kein Wunder, daß ihr nach dem Ende der finstern Nacht seufzet, in welche ihr gehüllt seid! Doch eS ist Zeitzdaß ich diesen traurigen und schmerzlichen Gegenstand unaufhörlicher Verfolgung und Barbarei, womit ich Bogen nach Bogen füllen könnte, verlasse, und zur Fortsetzung meines Berichts eile. Nun, am Sonnabende, dem 4. Oktober traf ich Vorbereitungen, Sanaa zu verlassen. Ich war nun zwölf Tage in dieser

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