Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 12 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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178 starb, Alles dies können wir glauben; aber daß die Gottheit eine Versöhnung für den Menschen stiften sollte, das ist ein Räthsel, das wir unmöglich verstehen können." Diese große Wahrheit, welche sie der Vernunft ganz widersprechend und der Gottheit unwürdig betrachteten, bildete nun das Thema zu einer langen und feierlichen Discussion. Viele zweifelnde Gesichter waren auf die heil. Schrift gerichtet, als ich sie öffnete; aber ihr Zweifel ließ nach, als ich ihnen eine Stelle nach der andern zeigte, in welchen diese erhabene Lehre bestimmt ausgesprochen wird. Ihr Unglaube, wie der der meisten Juden, beruhte auf der irrihümlichen Meinung, daß der Glaube der Christen ganz von dem der Juden verschieden sei, und daß der Heiland, welchen sie als Gott verehren, nur ein sterblicher Mensch gewesen sei. Daß das Christenthum seinen Keim im Judenthum habe, und daß der Messias, den wir anbeten, dasselbe göttliche Wesen sei, das sich den Propheten und Heiligen offenbarte, war nie in ihren Sinn gekommen, und sie waren daher ganz bestürzt und in Erstaunen gesetzt, als sie die große Schwierigkeit gehoben und das Geheimniß gelöst sahen. Indem so die Decke von ihren Augen genommen war, gaben Alle ihren unbestimmten und läppischen Meinungen bessern Einstüffen Raum, und ich bin überzeugt, hätte nicht die Furcht vor ihren mohamedanischen Frohnvögten, wie ein drohendes Gespenst vor ihrer Seele geschwebt, nicht einer meiner Zuhörer würde die Stube verlassen haben, ohne seinen Glauben an den gekreuzigten Erlöser zu bekennen. Sei dem wie ihm wolle, zwei blieben und diese drückten, indem ein Strom von Thränen über ihre braunen bleichen Wangen stoffen, das Neue Testament an ihre zitternden Lippen, und sprachen mit einem Ausdruck des größten Ernstes: „Jesus, Du barmherziger Heiland der Seelen, erbarme Dich über unsere Unwissenheit und vergieb uns unsere Sünden!" Sie blieben bis Abends bei mir, und dann und wann konnten nun in der düstern Stube, welche so oft von den heftigen Stimmen der wilden Beduinen wiedergehallt hatte, die Seufzer und das Gestöhne zwei verachteter Israeliten gehört werden, während sie der Missionar dem Erbarmen des göttlichen Heilandes empfahl, dessen Gnade und Vergebung sie so ergreifend erfleht hatten.