Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 6-7 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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106 bis wir um 9 Uhr des Morgens Bayeil erreichten. In dem Kaffeehause, wo wir einkehrten, trafen wir mehr als zwanzig Araber an, die uns laut begrüßten und deren Gruß wir auf gleiche Weise erwiedcrten. Die Schwierigkeit war nur ein Plätzchen für uns zu finden, da die Rohrhütte über und über bereits angefüllt war. Ali, mein würdiger Eseltreiber, dessen Gunst ich mir auf unserm nächtlichen Marsch erworben hatte, wünschte ohne Weiteres weiter zu reisen, aber mein gebrechlicher Zustand protestirte entschieden dagegen. Die Beduinen bemerkten unsere Verlegenheit, und ihrem selbstsüchtigen Wesen ganz entgegen, krochen sie enger zusammen und ich zog es vor, mich lieber mitten unter sie einzupressen und geduldig alle Beschwerden zu ertragen, die ei»e Hitze von 98 Grad und zwanzig schmutzige, nackte Jsmaeliten verursachten, als mein Thier sogleich wieder zu besteigen. Obgleich mein Bart und Anzug jedes Wüstenbewohners würdig waren, konnten sie doch den scharfen auf mich gehefteten Augen nicht verbergen, daß meine Heimath von der ihrigen verschieden sein müsse. Sie richteten daher allerlei Fragen an mich, was aber Alle besonders interessirte, war, — die Verschiedenheit ihres und meines Glaubens. „Glauben Sie nicht an Muhamed? Haben Sie den Koran gelesen? Wird Saidno Yesua (unser Herr Jesus) wiederkommen? Starb er wirklich, um uns zu erlösen?" Diese Fragen gewährten hinreichenden Stoff, um die sonst unangenehmen Stunden des Tages hinzubringen; und so unangenehm auch die Luft in diesem arabischen Gasthause für die Lunge war, bedauerte ich doch nicht, meinen Aufenthalt in demselben genommen zu haben. In der Nacht kamen die Kameele mit meinen Büchern an. Ich traf sogleich die nöthige Auswahl für das Gebirge, die Esel wurden beladen und ich trat die Reise ins Hochland an. Nach und nach kamen wir aus der Wüste und der unfruchtbaren Gegend am rothen Meer heraus. Alles um uns her veränderte sich und cs war eine wahre Erquickung für uns, wieder süßeS Wasser, grüne Rasenplätze und üppige Fruchtfelder zu sehen. Gegen Sonnenuntergang kamen wir an-einer Stelle an, wo wir eine prachtvolle Ansicht hatten. Dicht vor uns lag ein weites Thal mit Dörfern und Forts manches unternehmenden Häuptlings; an