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Dibre Emeth · 1857-01-01 · 6-7 (1857) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
13 (1857)
Issue
6-7 (1857)
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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98 der Parabel vom verlornen Sohn, habe ich bisweilen darüber streiten gehört, ob der ältere Bruder die Heiden, und der jüngere die Juden sind, oder umgekehrt. Ich habe mancherlei Meinungen über diesen Gegenstand, aber ich meine, die Geschichte der Jubelfeste unserer christlichen und Missions-Gesellschaften in diesem Lande, führte uns eher zu der Annahme, daß die Heiden der ältere, und die Juden der jüngere Bruder sind, denn jene haben ihr Jubiläum bereits gehabt — sie sind fünfzig Jahr alt, aber diese erreichen eben erst dies Alter. Wenn so, so laßt den jünger« Bruder das beste Jubiläum haben. Unsere ältern Brüder haben von den Juden gelernt, daß es überhaupt ein Jubiläum giebt, denn ohne die Juden würden sie nichts davon gewußt haben. Aber nachdem man weiß, daß es ein Jubiläum giebt, so laßt den Juden sein Jubiläum haben, und laßt dieses Jubiläum das herrlichste, interessanteste und erbaulichste von allen sein. Seit vielen Jahren ist es unsere Aufgabe gewesen, nicht sowohl die Juden zu lehren, die Nichtjuden zu lieben, als vielmehr die Nichtjuden zu lehren, die Juden zu lieben, und ich gestehe, daß ich oft erstaunt bin, daß die Juden nicht glauben wollen, eS sei unser Ernst, indem man sie von uns, als ihren größten Feinden sprechen hört. Ich wünschte, Jeder von uns möchte es entschieden ausfprechen, daß wir in Aufrichtigkeit und Wahrheit die Juden von Herzen lieben, und daß es unser einziger Wunsch ist, ihnen grade die besten Vorrechte und die besten Gnadengüter mitzutheilen, die sie nur immer erlangen können. Was nun aber das Amt betrifft, das ich jetzt zu erfüllen habe, so bin ich nicht darauf vorbereitet, in Betreff der Zeit, in welcher das Jubiläum angekündigt worden ist, dieselben Gründe anzugeben, wie mein Vorgänger gethan hat. Ich bin vielmehr geneigt, auf das Gesetz und die Sitte der Juden zurückzugehen, und ich wünsche dem Comite Glück dazu, daß es sich so genau an das Wort Gottes und die Gesetze des Volkes Israels gehalten hat. Wenn ihr das 25. Kapitel des dritten Buches Moses leset, so werdet ihr finden, daß am zehnten Tage des siebenten Monats die Posaune deS Jubeljahres geblasen werden mußte, um fünf Monate hindurch das Herannahen des Jubeljahres anzukündigen. Es ist wahr, wir find nach dem jüdischen Gesetze etwas zu früh gekommen, denn wir

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