Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 4-5 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Land, in dem die Israeliten leben, und die Umgebung, in der sie sich befinden, stets einen großen Einfluß auf sie ausgeübt. In Frankreich ist die Mehrzahl der Einwohner römisch-katholisch, und unter denselben finden sich zwei Hauptklaffen, die Eine, die am Alten steif festhält und mehr oder minder von Herzen ihrer Kirche ergeben ist, und die Andere, die ganz gleichgültig ist, was Religion anlangt, so daß sie sich um Reform nichts kümmert, Kirche Kirche sein läßt, doch bei gewissen Anlässen, z. B. bei Trauungen oder Beerdigungen, die kirchlichen Ceremonien mitmacht. Dasselbe ist auch bei den französischen Juden der Fall. Die versammelten Oberrabbinen beriethen sich über die Auslassung eines Theils der Piutim, der Reimgebete, die an den Festtagen gesagt werden und die den Gottesdienst sehr verlängern, Gebete, die keine solche sind, meist in chaldäischer Sprache geschrieben, oft ganz arm an erbaulichen Gedanken, erzwungene Reime sind, die erst nach und nach am Ende des Mittelalters verfaßt worden. Aber es wurde kein eigentlicher Beschluß gefaßt, und die Sache blieb beim Alten. Zu einer längeren Diskussion gab die Frage Anlaß, ob in den Synagogen Orgeln einzuführen seien und am Sabbath und Festtagen von Nichtjuden gespielt werden dürften; allein auch darüber kam man nicht zu einem bestimmten Abschluß. Es wird dies dem Ermessen und Belieben einer jeden Gemeinde überlassen. In einem Hirtenbriefe spricht sich der oberste Rabbine Frankreichs in seiner gewohnten Milde über diese und andere Punkte aus, empfiehlt den Religionsunterricht sorgfältig zu ertheilen und ermahnt die Rabbinen, stets ihre amtlichen,Pflichten treu zu erfüllen. In den jüdischen Zeitschriften aber wird über die Piutim und die Einführung der Orgel viel disputirt. Der Oberrabbine Klein in Colmar hat einen Hirtenbrief erlassen, in welchem er seine Gründe angiebt, weshalb er gegen die Abschaffung der Piutim und gegen die Einführung der Orgel gestimmt habe. Unter Anderem sagt er: er sei deshalb für die Piutim, weil „ ein erhabener Lorbeerkranz, eine Weihe von Jahrhunderten die CultuSformen umgebe, und das sei von Werth; nicht ohne Gefahr könne man von ihnen, sich lossagen. Wenn dieser Grundsatz wahr sei zu allen Zeiten, so habe er besonders