Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 11-12 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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176 auf Gott hingelenkt, und im Laufe der Zeit entwickelte sich eine innere Erregung, so wie das Bedürfniß, Gott im Geiste zu verehren. Ir mehr sich der Fromme zu Gott hinaufgezogen fühlte, desto mehr empfand er in seinem Herzen, daß ihm das äußere Gesetz nicht mehr genüge. Er sehnte sich nach einem Zustande, wo die Bürde des Gesetzes weggenommen, und der Herzensverkehr mit dem Schöpfer ein unmittelbarer, ununterbrochener, nicht mehr durch äußere Gesetzerfüllung geknüpfter wäre. Aber gleichzeitig war er sich bewußt, daß in Gottes Augen nur der Mensch gerecht erscheinen kann, welcher den letzten Buchstaben des Gesetzes erfüllt hat, und zwar nicht allein den ceremoniellen, sondern auch den moralischen Theil, also ein Mensch, welcher im Laufe seines Lebens nicht allein keine einzige Sünde begangen, sondern nicht einmal einen sündhaften Gedanken gehegt hatte. Denn Gott, der absolut Gerechte, kann der Sünde auch nicht ein Stäubchen einräumen, seine Gerechtigkeit und die Sünde gehen in ewig ununterbrochenen Parallelen von einander ab. Wäre also der Mensch auf seine eigene Gerechtigkeit angewiesen gewesen, so war die Kluft zwischen ihm und Gott unausfüllbar; denn wo hat je ein absolut Gerechter gelebt, oder wo wird er leben? „Siehe, ich bin aus sündlichem Saamen gezeugt, und in Sünden „hat mich meine Mutter empfangen," bekennt der königliche Sänger Psalm 51, 7. — „Wie mag ein Mensch gerecht vor Gott sein? „Und wie mag rein sein eines Weibes Kind? Siehe, der Mond „scheinet nicht, und die Sterne sind noch nicht rein vor seinen Augen. „Wie viel weniger ein Mensch, die Made, und ein Menschenkind, „der Wurm?" Hiob 25. Das Menschengeschlecht war also in der verzweifelten Lage, vor Gott ewig unzulänglich zu erscheinen, wenn nicht Gottes allgnädige Vorsehung solchem Zustande vorgebeugt hätte. Als sich Gott vornahm, das Menschengeschlecht vom Sündenfalle zu erlösen, da war auch sein ganzer Plan zu diesem Zwecke entworfen. Erst offenbarte Er sich dem Menschen, um ihm die verloren gegangene Kenntniß des wahren Gottes wieder zu verschaffen, dann gab er ihm das Gesetz, um ihn zum Gotteswandel zu erziehen und zu kräftigen-, und in seiner unermeßlichen Weisheit hatte er auch schon den Weg ge-