Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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87 mit vielen und heißen Thränen über Israels Wankelmuth und Unbeständigkeit, daß sie sind wie ein falscher Bogen, in der Noth Gottcrgebenheit heucheln, aber wenn dieselbe gehoben ist, wieder abfallen. Man lese doch nur z. B. wenigstens einmal einige Kapitel des Propheten Jeremia und höre, was er Kapitel 2 sagt: Was schmückest du viel dein Thun, daß ich dir gnädig sein soll? Unter solchem Schein treibest du je mehr und mehr Bosheit. Auf solche Weise fährt er fort und ruft im achten Kapitel aus: Mich jammert herzlich, daß mein Volk so verderbet ist, ich gräme mich, und gehabe mich übel. Ist denn keine Salbe in Gilead? Oder ist kein Arzt nicht da? Warum ist denn die Tochter meines Volks nicht geheilet? Ach daß ich Wasser genug hätte in meinem Haupt, und meine Augen Thränenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen in meinem Volk! Ach daß ich eine Herberge hätte in der Wüste; so wollte ich mein Volk verlassen, und von ihnen ziehen. Denn es sind eitel Ehebrecher und ein frecher Haufe. — Oder man lese das Klagegebet eines Daniel, wie wir es im neunten Kapitel seines BucheS finden. Ist denn etwa damit schon die ganze „Glaubenstreue", die Gott fordert, erfüllt, daß Israel, wie der Verfasser sagt: „Wenn die Zeit naht, jährlich, setzen wir zum Mahl uns nieder, Mazzoth, ungesäuerte Kuchen, zu verzehren, weil das reine Brot des Lebens sie bedeuten" — eine solche äußere Ceremonie beobachtet? Ach, die Propheten sahen und wußten ja auch, daß Israel nicht bloß jährlich Mazzoth bereitete und aß, sondern daß sie täglich Opfer brachten, Neumonde, Sabbathe, Jahreszeiten hielten, fleißig in den Tempel gingen, viel beteten, und doch, ach wie beklagen und bejammern und beweinen sie trotz all dieser Ceremonien Israels Gottentfremdung! Wie sieht es aber selbst in Absicht auf diese äußern Dinge, als Synagogenbesuch, Beobachtung des Sabbaths, Beten und dergleichen jetzt aus!? Wahrlich, man weiß nicht, ob man über die Albernheit, in dem Backen und Essen der Mazzoth den „ glaubenstreüen Geist" Israels zu finden, lachen, oder über die