Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 1-2 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 ihr wohl zur Erkenntniß der Wahrheit kommen." Darauf verließ der Jüngling das Zimmer des Schneiders. Die Thränen des einfachen, schlichten Schneiders und das Wart vom Neuen Testament beunruhigten das Gemüth des Jünglings sehr; er konnte es nicht aus seinem Gedächtniß verlieren; er geht nach einigen Tagen wieder zum Schneider und läßt sich das Neue Testament zeigen; es war aber in deutscher Sprache, das konnte er nicht lesen, daher wirft er daS Buch auf den Tisch mit den Worten: „was soll ich mit einem solchen Buche anfangen?" Der Schneider weint abermals und spricht: „Ihr seid ja noch-jung und könntet wohl noch deutsch lesen lernen." — Der Jüngling geht hierauf zu einem Buchbinder und srägt nach einem ABC-Buch oder Fibel. Man zeigt ihm eine. Er srägt nach dem Preis und hört, daß sie einen halben Thaler kosten soll, während sie sonst nur einen Groschen kostet. Er geht fort und staunt über die Bücher der Christen. Aber die Thränen des Schneiders ließen ihm keine Ruhe; er denkt bei sich selbst: Der Mann hat doch nichts davon, und bittet dich so flehentlich, das Buch zu lesen. Es ist wahr, für ein ABC-Buch einen halben Thaler zu geben, ist zu viel; doch die Untersuchung der Religion ist mehr werth als einen halben Thaler. Sv kaufte er daö Buch, lernt des Nachts in der Stille daö Deutsche lesen, geht darauf wieder zum Schneider und fragt ihn, ob er ihm das Neue Testament leihen wolle. Dieser thut es. Run verschließt sich der Jüngling auf 2 mal 24 Stunden, nimmt Brot und Wasser mit sich und dabei liest er das Neue Testament durch , und zweimal den Brief an die Römer. Aldann giebt er dem Schneider daS Buch wieder zurück und thut, als ob ihm gar nichts daran gelegen wäre. Nicht lange darauf, da er einen neuen Wechsel von seinen Eltern zum Studiren erhalten hatte, macht er sich auf den Weg, kommt nach Gotha, meldet sich zum Christenthum, wird ausgenommen, unterrichtet und getauft; besucht das dortige Gymnasium unter dem damaligen Rektor Fockerodt, bezieht nachher die höllische Universität, will anfänglich Theologie studiren, weil ihm aber dabei manche Schwierigkeiten gemacht werden, so wählt er das Studium der Medizin u. s. w." So weit Schulz. Schulz führt uns ander Bekehrungsperiode Frommanns