Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 1-2 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 verbreitete sich dieser heilige Eifer. Hier waren H. A. Franke, Callenberg und Canstein thätig. Besonders Canstein war eö, der dem Worte Gottes eine Verbreitung verschaffte, wie eS bisher noch nie der Fall war; selbst in die ärmste Hütte wurde das Buch des Lebens gebracht. Die Herrscher von Sachsen, Gotha, Anhalt und Preußen förderten durch Wort und That dieses Streben. — Und wie in der christlichen Gemeinde, so theilte sich dieser lebendige Geist auch den Juden mit. Der geübte Blick eines literarhistorischen Forschers wird immer in der jüdischen Literatur, sei es Grammatik, Poesie oder Eregese, oder Philosophie, den Abglanz des Zeitgeistes, wie er in der christlichen Welt erscheint, deutlich wiedererkennen. So sehen wir diesen Zug auch in der damaligen Zeit. Auch auf jüdischen Hochschulen erwachte ein neuer Geist für das Bibelstudium, der seit der Zeit des Kimchi, Jben-Esra u. A. verschwunden war. Groß war der Eifer, wenn auch nicht um den Herrn zu erkennen, sondern um nur der unter den Christen entstandenen Polemik gerüstet entgegen gehen zu können. So wurden denn die heiligen Schriften wieder herbei gesucht, neu aufgelegt und überall verbreitet. In Dessau, der Residenz des Herzogs von Anhalt, war seit dem 17. Jahrhundert bereits eine jüdische Gemeinde. Am 26. November 1686r) hatte sie ein fürstliches Privilegium zur Erbauung einer Synagoge erhalten und war in kurzer Zeit sehr blühend geworden. Dazu trugen besonders die um 1666 aus Wien und den österreichischen Staaten vertriebenen Juden bei; diese waren sehr reich, handelskundig und gelehrt, und hatten in Berlin und später im Anhaltischen freundliche Aufnahme gefunden. So erblicken wir schon in den ersten Decennien des 18. Jahrhunders Dessau nicht nur als eine zahlreiche und wohlhabende, sondern auch als eine tonangebende, einflußreiche Gemeinde. Es war im Besitz einer schönen Synagoge und einer weit und breit berühmten Hochschule, wohin lernbegierige jüdische Jünglinge von allen Gegenden Deutschlands, i) Schut, jüdische Merkwürdigkeiten. Ill. Thl. S. 251.