Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 7-8 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554653-2554658--02095-2557955- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
112 da kommen soll. Wo sollte die Quelle so rein fließen, wo sollten ihre Wasser so hell glänzen; als gerade da, wo sie zuerst zu fließen begannen? Und wie sollen wir uns von dem graden Gegentheile alles dessen Rechenschaft geben? Aus welchem Grunde konnte es erwartet werden, daß, in Bezug auf die besondere Thatsache, aufwelche der Antrag unsere Aufmerksamkeit lenkt, anstatt eines reinen und ungemischten Christenthums jetzt ein völliger Mangel alles dessen da sein sollte, was nur einen Schein des lebendigen Christenthums an sich trägt, ausgenommen diese Anstalt? Wie sollen wjr uns von dem Allen Rechenschaft geben? Nur, wi» ich meine, aus dem Grunde, daß das Licht in seiner Reinheit und Vollkommenheit aus Ursachen , die scheinbar als Hindernisse wirken , Und aus der Finsterniß, die der Wiedersacher des Lichts zu sein scheint, von der Hand Gottes^ hervorgebracht würde. Menschliche Berechnung würde sagen: „Laßt uns darauf Bedacht sein, daß die Quelle, zu Jerusalem rein erhalten werde;" aber Gott spricht: „Laßt die Verkehrtheit des Menschen .sich zeigen; laßt die Blindheit des Menschen offenbar werden; laßt die Quelle verunreinigt werden, da ist eine x Hand, welche sie wieder reinigen kann; laßt die Bäche trübe fließen, da ist eine Hand, welche ihre Klarheit wieder Herstellen kann, wenn die bestimmte Zeit glommen sein wird. Was ist es, das sich unö durch das ganze heilige Land darstellt? Was anders als das: Ein Christenthum ohne Christum; ein Cristenthum, das weder Leben noch Kraft hat, ein Christenthum, dem die Moral fehlt, welche das Kennzeichen des seligmachenden Glaubens ist. Ich habe einigermaßen — wenn auch nur im geringen Umfange — die morgenländischen Kirchen studirt, wie sie sich in diesem Lande unserm Blicke darstellen. Ich habe sehr viele Convente der morgenländischen Kirchen besucht und mit ihren Priestern und Mönchen gesprochen, und ich bin mit allen Einrichtungen bekannt, welche daselbst bestehen und in voller Thätigkeit sind; ich fand ab^r nirgends ei n Zeichen lebendigen Christenthums, sondern nur das, was in-seinem Wesen und seiner Wirkung dem gerade entgegen ist, was diese Versammlung unter Ehristenthum versteht und dafür hält. Ich fand viel Aeußerliches, viel, was stets Kirchen charakterisirt hat, die vom Glauben