Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 5-6 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Rationalismus in die unteren Schichten des Volkes eingedrungen sind, dem wird es gewiß als ein dringendes Bedürfniß erscheinen, daß nicht nur die edlen Früchte christlicher Erkenntniß, christlicher Lehre und Sitte dem Volke dargeboten werden, sondern daß ihm auch die Nichtigkeit und Leerheit jener falschen Weisheit in ihrer ganzen Blöße und Nacktheit gezeigt werde. Man beweise ihm in einfacher und schlichter Sprache, daß das in ihr Verborgene nicht Honig, sondern Wermuth, Gift und Galle sei. Man zeige ihm, daß die Nessel, obgleich sie recht freundlich und keinerlei Stachel zeigt, dennoch brennt. Schule und Kirche können in dieser Beziehung Vieles, aber nicht Alles thun, weil ihre Belehrung so manchen Erwachsenen nicht mehr erreicht. Ihnen müßte in Büchern, welche sie voraussichtlich in die Hände nehmen, also vorzüglich in „Volkskalendern", durch apologetische Artikel der Beweis geliefert werden, daß das positive Christenthum auch mit der Vernunft sich begreifen lasse. Dringender noch wird das Bedürfniß solcher Aussätze, wenn der antichristliche Geist auch in Volkskalendern seinen Sitz aufschlägt. Ein solches Bestreben liegt offen zu Tage in dem im Jahre 1851 bei Weigart in Rosenberg, 1852 bei Leuckart in Breslau und für 1854 bei Liebermann in Brieg erschienenen und von ihm auch herausgegebenen „deutschen Volkskalender und Jahrbuch." In den vor uns liegenden vier Jahrgängen befinden sich fortlaufende Aufsätze von dem Rabbiner Di-. Geiger zu Breslau, „Proben jüdischer Vertheidigung gegen christliche Angriffe im Mittelalter." Er hat es sich, wie es scheint, zur Hauptaufgabe gemacht, das Christenthum und die Schriften des Neuen Testaments in allen möglichen Formen mit seinem Geifer zu besudeln. Schmutzige und polemische Schriften des Mittelalters, die nur abschriftlich in Bibliotheken verborgen lagen, die in keinem christlichen Staate gedruckt werden durften, hat er durch seine Veranlassung in Breslau drucken lassen unter dem Titel: Kopez Wikkuchim. Den berüchtigten Brief von dem Renegaten Periphot hat er in verschiedenen Schriften hebräisch und zuletzt noch deutsch mit Anmerkungen rc. herausgegeben. Doch damit noch nicht zufrieden, sucht er diese christen-