Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 3-4 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Gefahren ausgeseht wäre, und wo er ungestört der Leitung dessen folgen könne, dessen Güte uud Treue er bereits so reichlich an sich erfahren hatte. Bald nach seiner Ankunft besuchte er mich und äußerte ein ernstes Verlangen, zur Taufe vorbereitet zu werden. Seine wahre und bescheidene Frömmigkeit sprach sich in seinem ganzen Wesen so deutlich aus , daß ich keinen Anstand genommen haben würde, seiner Bitte sogleich zu willfahren; da er aber außerordentlich furchtsam schien, so war es nöthig, daß sein Glaubensleben in Christo sich durch Umstände bewähren sollte, wo es auf's Äeußerste geprüft wurde. Ich rieth ihm daher, nach Salonikazu gehen und die Gegenstände seiner Liebe dazu zu vermögen, daß sie mit ihm Theilnehmer an den Segnungen des Evangeliums werden möchten. Er war sogleich dazu bereit und machte sich, ermuthigt durch die Verheißungen des Herrn, sofort aus den Weg. In einem früheren Briefe deutete ich die. Gefahren und Mühen an, denen er zu begegnen hatte, und die Verluste, .welche er erlitt. Eine Kiste, welche seine wenigen Kostbarkeiten enthielt, wurde ihm mit Gewalt entrissen, gerade als er sie im Dunkel des Nachts in das' Haus des Kolporteurs der amerikanischen Missionsgesellschast bringen wollte, und wurde in die Wohnung des Ober-Rabbi gebracht, wo sie noch ist. Die Straßen nach dem Hafen wurden streng bewacht, damit er nicht entkommen möchte. Selbst auf dem Dampfschiffe, welches er, unerachtet aller Vorsicht der Rabbinen, glücklich erreichte, waren Agenten, welche ihn unter falschen Anklagen festnehmen sollten, und hätte Gott nicht einen gütigen und mächtigen christlichen Freund zu seiner Hülfe gesandt, so würde er jetzt, in dem Kerker der rabbinischen Inquisition schmachten, oder unter der zweideutigen Gerechtigkeit eines türkischen Pascha seufzen. Seine Frau, ein stilles, gefügiges Wesen, ist wie alle morgenländischen Frauen ungebildet und unwissend , erhält aber nun von ihrem Manne Unterricht im Lesen, und wird durch Gottes Gnade in den Wahrheiten der Bibel noch wohl gelehrt und bewandert, und vielen andern Frauen zum Segen werden. An demselben Sonntage, an welchem ich M.— und seine beiden Kinder in die Kirche Christi auftrahm, hatte ich noch drei andere Taufen; die eine vor dem Morgengottesdienste bei der britischen Gesandtschaft, wo ich gegenwärtig Herrn Prediger Blackiston, der verreist ist, vertrete. Um ein Uhr eilte ich nach dem vier (englische) Meilen entfernt gelegenen Ortakeui, um zur Zeit zu unserem Jüdisch- Spanischen Gottesdienste da zu sein, wo M— getauft wurde, um drei Uhr hatten wir unfern eigentlichen englisches Gottesdienst, wobei ich zwei Kinder von christlichen und zwei von jüdischen Eltern taufte. Zn Commission: Carl Dnlfer's Buchhandlung in Breslau. Druck von e. Hi Storch & Comp, in Breslau.