Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 1-2 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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s Scheinet es nicht, als wären Unmöglichkeiten möglich und den todten Gebilden Leben und Wirklichkeit eingehaucht worden. Wohin ihr blicket, Überall findet ihr Heue Schöpfukigetzsb grofiAfig und kühn, daß euer Geist in Staunen und/Bewunderung versunken, die gewaltigen Hebel dieser Entwickelungs- und Gestaltungöprozesse an diesen Wunderwerken kaum zn ergründen vermag. So großartig aber auch diese Erscheinungen in politischer Hinficht an sich schon sein mögen --größer und umfassender sind die Bewegungen auf dem religiösen Gebiete in ihren besonder» Beziehungen. Hier scheint alles den Culminationspunkt erreicht zu haben, oder demselben mit Riesenschritten zuzueilen. Zwei große Hauptpartheien, wenn auch in den verschiedensten Verzweigungen, stehen sich jetzt, wie zu Elias Zeit, mit der kühnen und inhaltsschweren Frqge: „Wer ist der Herr? " einander kämpfend gegenüber. Ist es der Glaube der Väter, der auf Gottes Wort und seinen ewigen Offenbarungen ruhende , oder der durch Forschungen neu geschaffne und auf die Resultate philosophischer Reflexionen sich gründende? Was ist Wahrheit? Das ewige Wort, von dem es heißt: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte nicht, oder der diesem Wort nachgeäffte Geist, und ein diesem nach Willkühr gebildeten Geiste adäquates Wort? Es ist also nicht mehr ein Kampf um verschiedenartige Meinungen und Auffassungen über ein und denselben Glauben, sondern um Begründung eines neuen Glaubens, nicht mehr um Stiftung neuer Sekten in derselben Kirchengemeinschast, sondern um Aufrichtung einer neuen Kirche, einer neuen Bibel. „Das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu geworden!" — Aber welche Neuheit? Es ist der neue Flecken auf dem alten, längst vermoderten Gewände — und der neue, noch gährende.Most in dem morschgewordenen Schlauch. Es war eine traurige Zeit in Israel, als es fremden Göttern nachbuhlte; diese beteten sie an und zollten ihnen eine Verehrung, die nur dem lebendigen Gott "geziemt. Wie siehet es jetzt aus? Ich möchte diese Frage mit den Worten des großen Dichters beantworten: „Es sind keine frommen Götter, welche jetzt Israel verehrt; es ist ein Götze in seinem eigenen eiteln Herzen, vor welchem es immer niederfällt und anbetet. Seine eigene