Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 2 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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38 MiseeNe. Nach einer allgemeinen Annahme beträgt die Zahl der in Constantinopel wohnenden Juden 50 bis 60 Tausend Seelen; nach Aussage der Juden selbst sind es 16,000 Familien. Mehr als zwei Drittel derselben sind Sephardim, oder spanische Juden, die Uebrigen sind deutsche und polnische Juden, oder sogenannte Aschkenasim. Mit weniger Ausnahme sind sie sehr arm und leben in höchst traurigen nnd drückenden Verhältnissen. Ein Engländer, welcher einige Jahre in Constantinopel lebte, schreibt darüber also: »Ihre finstern und ungesunden Wohnungen, die schmutzige Erscheinung ihrer Kinder, die kranken Gesichter der Frauen, die von der Natur weniger begünstigt sind, als die ihres Geschlechts an irgend einem andern Orte, und die zerlumpten Kleider der Männer, zeigen die äußerste Armuth an, und doch giebt es keine Bettler unter ihnen. Alle arbeiten, Alle suchen sich ihren Lebensunterhalt auf anständige Weise zu erwerben; Alle sind von Jugend auf an Arbeit und Handel gewöhnt." Im Geistigen sieht es nicht besser aus. Die armen Juden stehen noch ganz unter dem Joche des Rabbinismus; dabei herrscht Unwissenheit und Aberglaube in einem erschrecklichen Maaße, und der Gelderwerb ist der Hauptgegettstand der großen Masse. Ein wichtiges Arbeitsfeld für die Mission, und das um so mehr, wenn man bedenkt, daß außerdem noch Juden in großen Massen nach Constantinopel kommen, nicht nur aus den angränzenden Provinzen, als der Krimm, Cirkassien und Georgien, sondern auch aus entfernteren Ländern, als Persien, Syrien, Mesopotamien, und fast aus allen Ländern Europas. Preis für de» Jahrgang 10 Sgr. Zn Commisfion bei Dülfer X Geiser in Breslau. Druck von C. H. Storch & Comp, in Breslau.