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Dibre Emeth · 1851-01-01 · 12 (1851) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
7 (1851)
Issue
12 (1851)
Date
1851-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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188 Ich gab ihm eine französische Bibel und bat ihn, dieselbe zu lesen, was er mir auch versprach; vorher hatte er nie in einer Bibel gelesen. Als ich ihn sprach, war er im Begriff abzureisen. Herr Ewald kam auch mit deutschen , sogenannten rationalistischen Juden zusammen. Ein solcher überbrachte ihm einen Brief von einem gläubigen Prediger aus Deutschland. Da Herr Prediger Ewald gerade sehr beschäftigt war und sich nicht mit ihm unterhalten konnte, so ersuchte er ihn, bei ihm zu Mittag zu bleiben und sich bis dahin die Zeit mit Lesen zu vertreiben. „Als wir bei Tische saßen," erzählt nun Herr Ewald, „ war ich erstaunt, von meinem neuen Freunde die Worte zu vernehmen: — Mein Vater war ein orthodoxer Jude, und auch ich wurde streng jüdisch erzogen, aber da ich viele philosophische Schriften gelesen habe, so habe ich mir eine eigene Religion gemacht. Ich glaube weder an eine göttliche Offenbarung, noch an die Wunder, welche in der Bibel erzählt werden. Ich betrachte Moses als einen großen Mann; Jesum halte ich für einen großen Reformator. Er war der heiligste, der moralischste aller Menschen; aber ich kann nicht glauben, daß er Gottes Sohn ist, daß er Gott ist. Ich habe viele Bücher über das Christenthum gelesen, aber ich kann dessen Lehren nicht glauben." Bis dahin hatte Herr Ewald auch nicht den entferntesten Gedanken, daß sein Gast ein Jude sei, er hatte ihn für einen Christen gehalten. Er hatte nun eine längere Unterredung mit ihm über den angeregten Gegenstand, was sie aber gefruchtet, das ist dem Herrn allein bekannt. Wie viel Hunderte, ja Tausende solcher Juden giebt es nicht in unserm deutschen Vaterlande! Möchten nur die gläubigen Christen ein rechtes Herz und wahre Liebe zu ihnen haben, und sie auf den rechten Weg zu führen suchen! Herr Ewald hat gegenwärtig einen solchen im Unterrichte, „dervier Jahre in dem Irrgarten des Unglaubens herumirrte, aus einem religiösen Systeme ins andere verfiel, und allen Frieden der Seele verlor, bis er endlich in dem Herrn Jesu Ruhe fand," wie er hofft. Von einer andern Art Juden, jungen Leuten von 15 bis 20 Jahren, erzählt Herr Prediger Ewald: „Sie-kommen hauptsächlich aus Deutschland mit dem Wunsche, die Welt zu sehen und ihr Glück zu machen. Sind sie in London angekommen, gut gekleidet und mit

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