Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 3-4 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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45 meine Vorträge am Sonntag Abend, als auch die Missionsversammlungen an den Montagen. Ich hoffe, diese Familie öfters zu sehen, und möge der Herr dann geben, daß sein Wort kräftig an ihren Herzen wirke. Auch besuchten mich einige Elsaßer Juden, um die fünf Bücher Moses zu erhalten, aber sie waren so unwissend, daß sie kein Wort hebräisch verstanden und nichts aus dem alten Testamente wußten. In den letzten Tagen bin ich auch mit einer Menge armer jüdischer Knaben zusammengekommen, die herumgehen zu betteln, und sich in einem kläglichen und schmutzigen Zustande befinden. Ich bete zu Gott, daß er mich in den Stand setzen wolle, etwas für -diese armen Kinder thun zu können. Am 19. Dezember kam ein Knabe von 10 Jahren zu meiner Frau und bat, daß man für ihn ebenso sorgen möchte, wie man für seine Schwester gesorgt habe. Wir nahmen den Knaben, der vor Frost zitterte, ins Haus, damit er sich wärme, und gaben ihm zu essen; nachher brachte ich ihn in die Gesindeanstalt, in die seine Schwester ausgenommen wurde. Diese weinte heftig, als sie ihn sah, und er bat mich wieder dringend, ihn nicht zurück zu den Juden zu schicken, da seine Eltern wegen Diebstahls im Gefängnisse säßen, so daß seit sechs Monaten sich Niemand um ihn bekümmert habe, und er genöthigt gewesen sei, in Elsaß herumzuwandern und zu betteln. Ich nahm den Knaben mit nach Hause, wo er gereinigt und anständig gekleidet wurde, worüber er nicht genug seine Freude und Dankbarkeit ausdrücken konnte. Er wurde nun in einer Proselyten-Familie untergebracht, und die Freunde Israels werden für ihn sorgen. Die Gesetze in Frankreich machen es jedoch schwer, sich mit solchen Dingen zu befassen, da die Eltern zu jeder Zeit ihre Kinder wegnehmen können. Sie haben bereits ihr Recht an der Tochter ausgeübt. Sie kam zuerst auch zu uns, während ihre Mutter im Gefängnisse war, und als diese frei wurde, kam sie zu uns und sagte , daß wir ihr Kind behalten könnten. Allein einige Monate nachher kam sie wieder und nahm ihre Tochter weg, und nachdem sie dieselbe ihrer guten Kleider beraubt hatte, schlepte sie sie und ihren Bruder mit sich im Lande herum, bis endlich ihre Verbrechen sie wieder ins Gefängniß brachten. Die Tochter wurde dann sich selbst überlassen, im größten Elende