Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 6 (1850)
- Issue
- 11 (11.1850)
- Date
- 1850-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Cm jüdischer Lehrer als Missionar. Ja einer kleinen Stadt der Provinz — n lebt und wirkt ein jüdischer Lehrer, der, wie so viele Juden und besonders seines Gleichen, in seinem Herzen von der Wahrheit des Christenthnms überzeugt ist, oder ihm wenigstens vor dem Zudenthume dm Vorzug giebt, aber sich aus diesem oder jedem Grunde nicht entschließen kann, dem Zudenthume zu entsagen und zum Christeythume überzutreten. Dieser Lehrer hat immer einen Borrath von Neuen Testamenten, die er unter seinen Glaubensgenossen zu verbreiten sucht. Eines Tages kommt zu ihm ein streng orthodoxer Jude und bittet ihn um ein Neues Testament. Der Lehrer, den dieser Mann als ein heftiger Gegner und Feind des Christenthums bekannt ist, trägt Bedenken, ihm diese Bitte zu gewähren, indem er befürchtet, daß er es zerreißen oder sonst mißbrauchen möchte, oder nur darum lesen wolle, um seine Waffen gegen das Christenthum entweder überhaupt aus demselben zu nehmen, oder doch zu schärfen. Er sprach sich daher ftei und offen darüber gegen ihn auS. Als er jedoch wiederholt die Versicherung von ihm bekommen hatte, daß seine Bedenken und Befürchtungen ganz unbegründet seien, er vielmehr aufrichtig wünsche, daS Neue Testament nur darum zu besitzen, um es mit Aufmerksamkeit lesen und seinen Inhalt prüfen zu können, gab er es ihm. Einige Zeit darauf wollte der Lehrer sich überzeugen, ob ihn der Mann auch nicht hintergangen, sondern ihm wirklich die Wahrheit gesagt hätte. Er machte sich daher auf den Weg, um ihn zu besuchen und sich mit ihm in ein Gespräch über das Neue Testament einzulaffen. Er fand ihn nicht zu Hause, dagegen aber seine Frau an der Schwindsucht sehr schwer krank im Bette liegen. Er setzte sich zu ihr ans Bette, um mit ihr zu sprechen und sie zu trösten. Als er sich nun aber in der Stube umsah, erblickte er auf einem Tische das Neue Testament, das er vor Kurzem ihrem Manne gegeben hatte. Er stand auf, nahm das Buch in die Hand, ging dann zu der kranken Frau zurück und fragte sie, was denn ihr Mann mit dem Buche mache?