Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 10 (10.1849)
- Date
- 1849-10-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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172 10,000 Familien, von denen -4000 Christen, 60 Zuden und die übrigen Mühamedaner sind. Hier verweilte er zwei Tage und hatte verschiedene Unterredungen mit den Juden. Herr Stern schreibt darüber: April 2. — Heute früh schickte ich zu dem Rabbiner und bat um die Erlaubpiß, ihn besuchen zu dürfen. Er kam mir jedoch zuvor, indem er mit mehreren seiner Freunde mich in meiner Wohnung besuchte. Ihren Gruß in Türkischer Sprache erwiederte ich in der Hebräischen; sie waren nicht wenig darüber verlegen, von einem Manne in halb Türkischen Anzuge die heilige Sprache reden zu hören. Als ich bemerkte, daß sie nicht geneigt waren, sich mit mir in ein Gespräch einzulassen, theilte ich ihnen sofort den Zweck meines Besuches mit, und das kalte „Salam Aleikum" (Friede sei mit Euch) wurde mit einem Male in ein herzliches ron "[VQ (Gelobt sei der da kommt) verwandelt. Darauf sagten sie: „Man hat uns erzählt, daß es unter den Zuden in Bagdad eine Secte giebt, welche glaubt, daß die Erscheinung des Messias bereits vorüber ist, und daß es unnöthig ist, den Vorschriften der Rabbiner anzuhangen." Ich erklärte ihnen die Hauptartikel un- 'sers Glaubens und erhärtete sie aus einigen schlagenden Stellen der Schrift. Zhre Ohren hatten vorher nie so Etwas gehört, daher sie einige Minuten ganz still und verwirrt dasaßen. Der Rabbi, welcher während meines kurzen Gesprächs, oder vielmehr meiner Erklärung, in große Aufregung gekommen war, erwiederte: „Wir sind mit unsrer Religion zufrieden und haben kein Verlangen, unsre Weisen in Kcnntniß und Weisheit zu übertreffen." Zch fragte ihn, ob er glaube, daß solch eitles Vertrauen, und eine solche Sorglosigkeit um seine Seele ihm jetzt irgend eine Hoffnung, oder im Tode Trost gewähren könne. Diese Frage veränderte vielfach seine Gesichtsfarbe, und er machte keine ähnlichen Bemerkungen mehr., Die andern Juden, die nicht so gleichgültig waren, dachten über jedes Wort nach, das ich sprach, und nahmen dann mit Vergnügen einige Traktate an, die ich ihnen anbot. Zch fragte den Rabbiner um die Ursache ihrer großen Armuth, woraus er verzweifelnd erwiederte: „Wo nur immer die Kinder