Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1849-02-01 · 2 (2.1849) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
5 (1849)
Issue
2 (2.1849)
Date
1849-02-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2554541-2554598-2554601--00958-2556771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Miseellen. >' Herr Dr. Philippsohn giebt uns im leitenden Artikel zu No. 7. seiner Allg. Zeit. d. Zudenth. ein wahrhaft schauerliches Bild von dW religiösen Zustande des Zudenchums. Der „freudige Zünglingsmuth", erzählt er uns, „der in der Reform Verjüngung und Wiedergeburt (des Zudenchums) erträumte, und eine Grundlage -für Zahrhunderte, ist dahin. Was man auf Jahrhunderte bauen wollte, hat sich kein Zahrzehent lebenskräftig erwiesen. — Dir jüdischen Gemeinden in der Auflösung. Ueberall die ganz rohe äußerliche Existenzfrage, fürwahr! eine Frage um das Ende oder den Anfang. — Die jüdische Wteratur in den letzten Zügen. An selbstständige Werke, größere Arbeiten kein Gedanke; selbst die jüdische Journalistik") nur vegetirend; nirgends ein Eifer, ein Trieb, eine Lust. Und so durch alle Lände hindurch. — Wo wäre denn nun die Aussicht einer Aufhülfe? Auf wen soll man seine Blicke richten? Auf unsere Zugend? Jedermann sieht das Trostlose da ein. Unsere wissenschaftlich gebildete Zugend ist, mit geringen Ausnahmen, dem Atheismus, dem modernen Heidenthume verfallen. Was hiervon eine Ausnahme macht, das hält sich lediglich an das Dogmatische — und läßt die positive Erscheinung bei Seite liegen. Auf das Alter? Das ist entweder in der Uebüng der orthodoxen Formen ergraut, und trägt sie als Etwas, was zu seinem Leben gehört; oder es gehört jener Zeit an, die nur eine ästhetische Bildung kannte, und in dieser, ohne Znhalt, einem passiven Deismus Huldigte, der eben noch einen Gott duldete, aber Nichts weiter. Auf unser Mannesgeschlecht? Was von diesem nicht ganz allein dem Materialismus ausschließlich angehört, — das lebt und webt in der Politik. — Wir haben also Nichts, als Politik auf der einen, die schwer bedrohte materielle Existenz auf der andern Seite — und zwischen diesen wird Alles zerfallen, was sonst geistiges Eigenthum des Menschen ist, Religion, Wissenschaft, Kunst". Wahrlich eine trostlose, verzweifelnde Schilderung! Aber wir wundern uns, daß Herr Ph. dies jetzt erst sieht. Wir haben dies den Zuden schon vor mehr als 15 Zähren vorausgesagt, wenn sie Nach Emanzipation schrieen; denn das Zudenthum muß in sich selbst zerfallen, sobald es frei wird. Darüber jedoch an einem andern Orte ausfühlicher. *) Wie uns vor ganz kurzem aus glaubhafter Quelle versichert wurde, hat sich der Herr Doktor in einem Sendschreiben an die jüdischen Gemeinden bitter daMer beklagt, daß sich die Zahl der Abonnenten seiner Allg. Zeit. d. Zudenth. in diesem Jahre sehr verringert habe; und er hat die Borstände aufgefordert, da« für zu sorgen, daß in jeder Gemeinde doch wenigstens ein Exemplar gehalten werde. Es scheint demnach, als ob auch dieses sonst viel gelesene Blatt nur noch vegetire.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.