Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 11 (November 1847)
- Date
- 1847-11-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554570-2554582--00674-2556472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 Der jüdische Lehrer sprach es gegen uns aus, daß das Zudenthum dem Grabe nahe sei, weil der alte Gottesdienst nicht mehr vermöge, das Gemüth zur Andacht zu stimmen. Der Borsänger singe die heiligen Lieder oft nach Tanzmusik, und errege dadurch natürlich das Lachen der jüngeren Leute. Der Lehrer selbst trägt m sich die Ansichten der neuen Reformer. Der Messias ist ihm die Zeit; wenn ja ein persönlicher gemeint sei, so werde es ein Held sein, der das Volk Israel zu einem selbstständigen, mächtigen, glücklichen Volke machen werde. Er glaubt, das Christenthum werde nur durch die Macht der Fürsten gefördert und gestützt. Ich entlehnte meine Antwort aus der Kirchengeschichte der Vergangenheit und der Gegenwart (nämlich Missionsgeschichte.) Alle Gebildeten und Aufgeklärten, meinte er, seien vom orthodoxen Glauben abgefallen, unter den Christen gleichermaßen, wie unter .den Juden.*) Beweise für diese unbewiesene Behauptung erhielt ich von ihm nicht; hätte er nur in seinen eigenen Busen gegriffen, und als Beleg für den zweiten Theil seiner Behauptung sich selbst anerkannt und angeführt! Die Handgreiflichkeit hatte auch in seinen Augen viel Gewicht. „Wie soll ich es denn be- ' greifen, fragte er, daß Gott ein Mensch geworden ist, der gegessen und getrunken, Schmerz empfunden habe u. s. w.?" Natürlich erinnerte ich ihn an eine Reihe von Dingen, die er auch nicht begreifen und doch nicht Wegstrecken konnte; z. B. das Dasein Gottes. Weil ich gegen ihn behauptet, daß wir nur durch Offenbarung die Gewißheit von dem Dasein Eines Gottes hätten, kamen wir auf die Erscheinungen Gottes bei Abraham; er faßte sie nicht als wirklich auf, sondern nur als innere Einsprache». „Aber wenn sie nun, fuhr er fort, wirkliche Erscheinungen in Menschengestalt waren — wozu brauchte denn Gott später noch einmal Mensch zu werden?" Ich deutete ihm die Wichtigkeit der Menschwerdung Christi au, nach der Seite hin, daß er in allen Stükken uns gleich geworden ist. Es machte einen schr ermunternden Eindruck auf mich, am Nachmittage des Bußtages (den 28.) zu derselben Zeit, wo H. in .... predigte, in der Kirche eine sehr zahlreiche Versammlung von christlichen und jüdischen Zuhörern zu finden; die letztere habe ich auf mehr als 150 angeschlagen. (Schluß folgt.) *) Und wer noch daran hält, thut es nur pro forma, aus irdischen Riickfichte». Lchs Watt erscheint monatlich in einem Boqen und kostet der Jahrgang 15 Sgr. Bestellungen nehmen, außer dem Herausgeber selbst, alle Buchhandlungen an. GchruSt und tu EommWvn hg TrowiM und <S«tzn tu Feanktuet a. d. H.