Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1847)
- Date
- 1847-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 wir auch von ganzem Herzen. Denn wir können keinem Menschen, am allerwenigsten vom christlichen Standpunkte aus, das Recht einräumen, sich zum Richter in Sachen des Glaubens und Gewissens aufzuwerfen, und irgend eine Religionspartei durch Gewaltmaßregeln in Ausübung ihres Glaubens zu behindern, oder sie wohl gar zu verfolgen und durch Einkerkerung und allerlei Martern zur Verleugnung ihres Glaubens und zum Abfall zu zwingen, und die Ungehorsamen selbst mit dem Tode zu bestrafen, wie dies leider so oft geschehen ist. Damit aber wollen wir keinesweges sagen, daß jede Srcte und jede Glaubensgenossenschaft auch in politischer Beziehung vom Staate sofort anerkannt, oder, wie man sich gern auszudrücken pflegt, emanzipirt werden müsse. Wir sprechen es vielmehr als unsere volle Ueberzeugung aus, daß Emanzipation im vollen Sinne des Worts mit wahrer Toleranz unverträglich ist, ohne uns hier in eine weitere Auseinandersetzung darüber einzulassen. Diejenigen, welche das Wort Toleranz beständig im Munde führen, verstehen nun aber auch keinesweges das darunter, was wir meinen. Sie wollen in der That keine Toleranz oder Freiheit des Glaubens und dessen Ausübung, sondern nur Gleichgültigkeit gegen jede Religion, den kältesten Zndifferentismus. Doch nein, wir irren, nicht bloß Gleichgültigkeit gegen die verschiedenen Religionen und Confessionen wollen sic, sondern noch etwas mehr, nämlich den schauerlichsten Unglauben. Wer sich aber zu demselben nicht bekennt, sondern festhält am Glauben, und diesem auch bei seinen Nebenmenschen Eingang und Geltung zu verschaffen sucht, weil er weder gegen seine eigene, noch eines Andern Ueberzeugung, gleichgültig sein kann, gegen den wollen sie auch nichts von Duldung wissen; vielmehr möchten sie da sofort mit dem Schwerte dreinschlagen, oder solchen intoleranten Leuten wenigstens die freie Ausübung ihres Glaubens rauben, wenn sie nur die Macht dazu hätten. Damit aber machen sie sich gerade der Untugend schuldig, die sie so gern Andern zur Last legen möchten, sie werden im höchsten Grade intolerant. Daß dies nicht bloß Einbildung, sondern Wirklichkeit ist,