Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Land unsicher machten; aber nie ist ihm auch nur ein Groschen mit Gewalt genommen worden. — Da die Wege sehr schlecht sind, konnte er die Bücher, die er mitnahm, nicht auf Lastthiere laden, sondern miethete zwölf Männer als Träger. Als er in Gondar war, kam eine Armee, die ihm den Weg abschnitt. Daher dauerte seine Abwesenheit acht Monate. Es entstand eine große Theurung, so daß sein Geld schon gegen Ende des sechsten Monats ausging. Während er nun das Evangelium in seinem Hause predigte, gingen seine Bücherträger auf die Zagd, und der Herr segnete ihre Bemühungen so, daß sein Knecht nie Mangel gelitten in den zwei Monaten, sondern noch dreißig Arme speisen konnte. Zu jener Zeit kam ein Sohn eines Gouverneurs, ein Züngling, täglich in sein Haus. Derselbe trat, als Gobat abreisen wollte, zitternd zu ihm und sprach: Zch will Dein Knecht sein wenn Du mich im Morte unterrichten willst. Er wurde noch zu den zwölf Männern hinzugenommen. — Die Abessinier, die leicht betteln, thaten es damals besonders; Gobat ermahnte sie, lieber recht fleißig Gott zu bitten. — Da dachte der Jüngling bei sich selbst: Der Missionar hat viel Geld, aber wenn er sich in solchem Zustande befände, wie wir, möchte ich wohl sehen, ob er nicht betteln würde. — Bei der Abreise kam er zu ihm und sagte: Sie wissen, daß wir durch ein wüstes Land kommen, also ist Speise nöthig. — Gobat gestand ihm, daß er seit zwei Monaten kein Geld habe. — Der kleine Borrath von Mehl, den sie für erlegtes Wild eingetauscht hatten, reichte für die ersten vier Tage. — Am Abende des vierten Tages ging dieser Züngling allein unter einen Baum und dachte: Jetzt weiß ich, daß mein Meister nichts hat; ob er nun auch so thun wird, wie er uns zu thun ermahnt hat? — An dem folgendm Morgen betete Gobat in einem Sinne wie nie zuvor: „Gieb uns heute unser täglich Brod." Gegen Mittag ging er mit seinen Leuten auf ein Dorf zu, in welchem eine ihm bekannte Frau wohnte. Am Wege sah er ihren Knecht sitzen mit einem Kruge Bier und einem Korbe Essen. Dies hat meine Herrin geschickt für Dich und Deine Leute, sagte der Mann. Und siehe! es reichte selbst noch für einige Arme.